Mark Rowlands: Der Philosoph und der Wolf (Piper Taschenbuch)

Mark Rowlands lebte als Philosophie-Dozent in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien und Frankreich. Mit von der Partie war stets sein zahmer Wolf Brenin, ein Gefährte, der sein Leben auf ganz außergewöhnliche Art bereichert hat. „Was es bedeutet, ein Mensch zu sein – das lernte ich von einem Wolf.“ – So seine Quintessenz.

Ein spannendes Buch, das Einblick gibt in den Alltag eines Philosophen, ihn „bei der Arbeit“ zeigt, beim Entwickeln neuer Theorien über das menschliche Dasein, inspiriert durch ein wildes Tier.

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Michael Kleeberg: Das amerikanische Hospital (DVA)

Michael Kleebergs Roman hat es immerhin auf die Auswahlliste zum Deutschen Buchpreis 2010 gebracht. Eine fesselnde Geschichte um eine Pariserin und einen Amerikaner, die im Amerikanischen Hospital in Paris aufeinander treffen.

Helene beginnt dort eine Fruchtbarkeitsbehandlung, die sich über Jahre hinzieht und sie zunehmend dem eigenen Körper entfremdet. David ist in psychologischer Behandlung – seit dem Irakkrieg ist er nicht mehr diensttauglich.

Diese beiden sehr unterschiedlichen Menschen nähern sich behutsam einander, versuchen, sich gegenseitig zu stützen. Michael Kleeberg ungewöhnlich schöne und präzise Sprache macht den Roman zu einem berührenden Leseerlebnis.

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Natasha Solomons: Wie Mr. Rosenblum in England ein Glück fand (Kindler)

Als Jakob Rosenblum und seine Frau Sarah 1937 aus Berlin flüchten, beginnt für sie ein neues Leben. Jakon heißt von nun an Jack und will Engländer durch und durch werden. Mit Zielstrebigkeit und nie versiegendem Optimismus erarbeitet sich Jack eine eigene Firma (eine Teppichfabrik), kauft seinen ersten maßgeschneiderten Anzug in der Savile Row, schafft sich sogar einen Jaguar Roadster an.

Eines jedoch bleibt ihm verwehrt – und das ist für ihn der Inbegriff des Englischseins: Die Mitgliedschaft in einem Golfclub. So muss er schließlich zu außergewöhnlichen Mitteln greifen. Er kauft ein verwahrlostes Cottage mit großem Grundstück und beginnt eigenhändig, einen Golfplatz anzulegen.

Natasha Solomons Debütroman ist eine Hommage an das Landleben in Dorset, gutgelaunt und mit viel Augenzwinkern erzählt. Ein Aufmunterungsbuch für kürzer werdende Tage.

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Asfa-Wossen Asserate: Draußen nur Kännchen (Scherz Verlag)

Da ich „Manieren“ für eines der gelungensten Bücher der letzten Jahre halte und auch Asserates Biographie „Ein Prinz aus dem Hause David“ verschlungen habe, wurde das neue Buch des äthiopischen Prinzen natürlich mit einem Jubelschrei von mir begrüßt!

„Draußen nur Kännchen“ ist wie ein Nachtrag zu „Manieren“ – und ebenso amüsant zu lesen. Asserate verarbeitet seine „deutschen Fundstücke“ zu lehrreichen Abhandlungen über die deutsche Kultur und Lebensart. Das Feuilleton bezeichnet seine Bücher als „elegante Salonliteratur“ – Asserate zu lesen ist wie eine besonders edle Praline zu genießen…

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Alina Bronsky: Die schärfsten Gerichte der tartarischen Küche (Kiepenheuer&Wisc

Die Sowjetunion in den achtziger Jahren: Rosalina ist eine gnadenlos dominante Frau – Mann und Tochter fügen sich ihrem unbeugsamen Willen, natürlich nur zu ihrem eigenen Besten.

Als Sulfia, die unbegabte und unattraktive Tochter in jungen Jahren schwanger wird, drängt Rosalinda sie zur Abtreibung – schließlich ist sie noch viel zu jung, um Großmutter zu werden. Der Eingriff, den eine Nachbarin durchführt, bringt nicht das gewünschte Ergebnis, und so tritt Aminat in Rosalindas Leben.

Sie wird zum Mittelpunkt ihres Seins, Rosalinda sieht in ihrer Tochter eine Konkurrentin um die Liebe des Mädchens und versucht, Mutter und Tochter zu trennen – aber da begehrt die stille Sulfia auf.

Komisch und bitterböse – diese Großmutter geht über Leichen!

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Hermann Koch: Angerichtet (Kiepenheuer&Witsch)

Zwei Brüder und ihre Ehefrauen treffen sich in einem Nobelrestaurant zum Essen.

Paul, ein arbeitsloser Lehrer, spöttelt über das Ambiente, die eingebildeten Kellner und über seinen großen Bruder Serge, der niederländischer Ministerpräsident werden will. Immer steht er im Schatten des publicitysüchtigen Politikers. Doch das Konkurrenzdenken der Brüder ist das allerkleinste Übel in diesem Familiendrama…

Koch ist ein begnadeter Erzähler, sein Roman beginnt fast spielerisch leicht und der Anfang läßt kaum vermuten, dass man es hier mit einer Geschichte zu tun hat, die einem den Atem nimmt. Mich hat das Buch auch nach dem Zuklappen beschäftigt, um nicht zu sagen: Verstört.

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Josh Bazell: Schneller als der Tod (S. Fischer)

Der Titel klingt nicht besonders einfallsreich, aber dahinter verbirgt sich ein wirklich rasanter, origineller Krimi, der mich von der ersten Szene an gefesselt hat: Ein Straßenräuber hät einem Arzt eine Waffe an den Kopf und verlangt Geld. Doch der Doktor reagiert ganz anders als man vermuten würde  – und der Dieb findet sich kurze Zeit später im Krankenhaus wieder…

So führt Peter Brown in seinen Alltag als Arzt in einem städtischen Krankenhaus ein. Ein immer gleicher Kreislauf von Stress, Übermüdung und Medikamentenmissbrauch. Doch dann taucht unvermittelt jemand aus seiner Vergangenheit als Patient auf der Krebsstation auf und droht, Peter an seine ehemalige „Familie“ zu verraten. Nach und nach enthüllt sich dem Leser Peters früheres Leben als Mafia-Auftragskiller – er hat noch ein paar offene Rechnungen hinterlassen.

Zynisch, cool, und manchmal auch ziemlich blutig – eigentlich nicht unbedingt die Sorte Krimi, die ganz oben auf meiner Leseliste steht. Ich bin aber froh, für Josh Bazell eine Ausnahme gemacht zu haben!

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Maggie Stiefvater: Nach dem Sommer (Script 5)

Zwischendurch muss ich ja auch ab und zu wieder Jugendbücher lesen…

Aber immer nur wohldosiert, da man sonst von der Vampire/Werwölfe/Engel-Welle überrollt wird. Nun also wieder die pelzigen Seelengefährten: Jeden Winter wartet Grace auf die Wölfe, die den Wald hinter ihrem Elternhaus bevölkern, denn einer von ihnen, der Wolf mit den goldenen Augen, hat es ihr besonders angetan. Und – Überraschung! – jener ist nicht nur ein Wolf, sondern den Sommer über ein fast ganz normaler junger Mann mit Namen Sam. Erst die Winterkälte zwingt ihn in die tierische Gestalt. Und je älter er wird, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er sich überhaupt noch in einen Menschen zurück verwandelt.

Als er sich in Grace verliebt, versucht er alles, um bei ihr bleiben zu können – aber der Winter ist unausweichlich…

Nett und romantisch, passt genau in das Beuteschema der „Bis(s)“-Fans.

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John Hart: Das letzte Kind (Bertelsmann)

Der beste Krimi seit langer Zeit!!

Johnny ist gerade dreizehn Jahre alt und musste erleben, wie seine Familie zerstört wurde: Seine Schwester Alyssa wurde entführt und ist seit einem Jahr verschwunden. Sein Vater gab sich die Schuld daran und hat die Familie verlassen. Seine Mutter ist seitdem alkohol- und medikamentenabhängig und hat einen sehr gewalttätigen neuen Freund.

Doch Johnny lehnt sich gegen die Umstände auf, niemals will er seine Zwillingsschwester aufgeben. Also forscht er auf eigene Faust weiter, beobachtet Kinderschänder, sucht Stadtteil für Stadtteil ab. Der Einzige, der Verständnis für ihn zeigt, ist Detective Clyde Hunt. Auch er kann den Fall nicht ruhen lassen, den er hatte Johnnys Mutter damals versprochen, Alyssa zu finden…

Gradlinig erzählt, hochgradig spannend – ein Buch, das man nicht eher beiseite legen möchte als bis man die letzte Zeile gelesen hat!

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Tracy Chevalier: Zwei bemerkenswerte Frauen (Knaus)

Ein stilvoller Roman – ganz in der Tradition von „Das Mädchen mit dem Perlohrring“.

Zwei historische Frauenfiguren stehen im Mittelpunkt dieser Geschichte: Elizabeth Philpot ist eine wohlhabende, etwas exzentrische junge Frau. Als sie und ihre unverheirateten Schwestern 1830 in den Küstenort Lyme Regis ziehen – in London ist das Leben zu teuer – lernt sie die junge Mary Anning kennen, die nach dem Tod ihres Vaters versucht, die Familie mit dem Verkauf von Fossilien über Wasser zu halten.

Trotz des großer Unterschiede in Alter und Herkunft freunden sich die beiden beim gemeinsamen Fossiliensuchen an. Elizabeth ermutigt Mary, sich Hintergrundwissen über ihre Funde anzueignen und Mary ist für ihre ältere Freundin der einzige Mensch, der ihre Leidenschaft für die neu entstehene Paläontologie teilt. Doch ihre Freundschaft droht zu zerbrechen, als sich beide in den gleichen Mann verlieben…

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