Susan Neiman: Moralische Klarheit

Ich kann es nur offen zugeben: An Susan Neiman bin ich gescheitert!

Dabei hörten sich Titel, Untertitel („Ein Leitfaden für erwachsene Idealisten“) und Klappentext (…“Mit Vernunft und Leidenschaft entdeckt sie den Idealismus der Aufklärung neu und möchte seinen Tugenden wieder Geltung verschaffen“…) doch so gut an!

Auf Seite 101 (von knapp 500) habe ich nach einer längeren Lesepause komplett den Faden verloren. Nicht, dass ich vorher besonderen Durchblick hatte – das Buch schien mir streckenweise eine Antwort auf politische Veröffentlichungen aus den USA, die ich natürlich nicht kenne.

Vielleicht sollte ich Prof. Neiman, die immerhin Direktorin des Einstein-Forums in Potsdam ist, in einem halben Jahr noch eine Chance geben – der nächste Urlaub kommt bestimmt und damit eine Gelegenheit, sich ganz ohne vorweihnachtliche Ablenkung in ein anspruchsvolles Thema zu versenken…

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Mary A. Shaffer: Deine Juliet (rororo)

Empfehlungen in der Buchhandlung verlaufen ja glücklicherweise in beide Richtungen – ich bekomme immer wieder grandiose Tipps von Kundinnen und Kunden. Oder ich entdecke bei den Bestellungen faszinierende Bücher, die ich mir auch sofort anschaffen muss. Wahrscheinlich hätte ich ohne den Rat von Frau F. niemals „Die Eleganz des Igels“ gelesen – denn meist mache ich einen Bogen um französische Autoren (bis auf Fred Vargas natürlich!) – und das hätte mich um ein besonderes Leseerlebnis gebracht…

Jetzt gerade habe ich ein Buch gelesen, das eine Kundin schon ganz häufig gekauft und verschenkt hat – und ich bin hingerissen!

Zum Inhalt: Allein schon die Form des Briefromans verdient allerhöchstes Lob! (Zwar funktioniert das Ganze auch mit E-Mails, wie Daniel Glattauer bewiesen hat, aber die Vorstellung, das Menschen (und seien es auch nur erfundene)  so wunderschöne lange und aussdrucksstarke kurze Briefe geschrieben haben, lässt einen in Zeiten der schnöden elektronischen Post wohlig erschauern… Ich schweife ab… Also nochmal: Zum Inhalt:

Juliet Ashton, eine kluge und schlagfertige Londoner Schriftstellerin, erhält im Januar 1946 einen Brief von der Insel Guernsey. Ein dort ansässiger Landwirt hat ein Buch gekauft, das früher ihr gehörte und in das sie ihren Namen und ihre Adresse eingetragen hatte. Er bittet sie um eine kleine Gefälligkeit (er braucht Namen und Anschrift einer Londoner Buchhandlung) und so ensteht ein reger Briefwechsel, durch den Juliet allerhand über das Leben auf Guernsey während der deutschen Besatzung erfährt. Dawsey Adams (so der Name des Inselbewohners) und seine Freunde gründeten in dieser schweren Zeit einen Literaturclub – den „Club der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf“. Bald schreiben nicht nur Dawsey, sondern alle Clubmitglieder an Juliet, und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie endlich auf die Insel fährt…

Schon auf Seite 20 hat M.A. Shaffer mein Herz gewonnen, weil sie ihre Hauptfigur Juliet, die zusammen mit ihrer Freundin Sophie in einer Buchhandlung gearbeitet hat, folgende Zeilen schreiben läßt:

„…Buchhändler sind wirklich ein eigener Menschenschlag. Niemand, der alle fünf Sinne beisammen hat, würde des Gehalts wegen in einer Buchhandlung arbeiten oder sich wünschen, eine zu besitzen – die Gewinnspanne ist zu gering. Es muss die Liebe zu den Lesern und zum Lesen sein, die sie dazu treibt – und die Möglichkeit, die neuen Bücher als Erste in die Hände zu bekommen.“ *

Ein schlichtweg bezauberndes Buch – man liest es oft mit einem Lächeln auf den Lippen, und manchmal auch mit einem feuchten Taschentuch in der Hand. Ich werde ausgesprochen gern dafür sorgen, dass möglichst viele Leserinnen dieses Buch unterm Tannenbaum vorfinden werden!

* (Hehehe – siehe Artikel vom 16. November)

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Neuer Krimi von Tana French

Darum liebe ich meinen Beruf: Ich werde heute Abend auf dem Sofa sitzen und die ersten Seiten von „Sterbenskalt“ lesen – und Normalsterbliche müssen noch bis Mitte Dezember auf dieses Buch warten 🙂

Frenchs erste Bücher, „Grabesgrün“ und „Totengleich“ gehören für mich zu den besten Krimis, die ich in den letzten soundsoviel Jahren gelesen habe.

Eine ausführlichere Besprechung folgt natürlich erst nach Erscheinen des Buches, vorher haben die Verlage so etwas nicht so gern…

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Annette Curtis Klause: Blood and Chocolate (Heyne)

Dieser Winter gehört den pelzigen Fantasy-Geschöpfen: Noch mehr Werwölfe, diesmal aber in anderer Konstellation. Ein Werwolf-Mädchen trifft auf einen sensiblen, künstlerisch begabten Jungen.

Vivian liebt es, als Wölfin durch die Wälder Marylands zu streifen, aber mit ihrem Rudel hat sie Probleme. Es wird von ihr erwartet, sich einen Partner ihrer Art zu suchen, doch sie verliebt sich in ihren stillen Mitschüler Aidan. Doch kann sie ihm jemals zeigen, wer sie wirklich ist?

Frech und gemäßigt sexy. Wem Stephenie Meyers Verklemmtheit auf die Nerven ging – und wer eher zum „Team Jacob“* gehört – wird mit diesem Buch bestimmt glücklich…

* Wenn Ihnen das nichts sagt, wurden sie nicht von „Twilight“ infiziert. Herzlichen Glückwunsch 🙂

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Wolfgang Herrndorf: Tschick (Rowohlt)

Wenn zwei Vierzehnjährige in einem geklauten Lada von Berlin aus in die Walachei fahren wollen, geht das wohl nicht ganz ohne Probleme und kleinere Katastrophen ab…

Maik stammt aus einem ehemals gutbürgerlichen Elternhaus. Nun aber ist der Vater längst pleite, die Mutter alkoholabhängig. Seine Klassenkameraden übersehen ihn und seine angebetete Tatjana lädt ihn nicht zu ihrer Geburtstagsparty ein.

Und dann hängt sich auch noch Tschick an ihn – eigentlich Andrej Tschichatschow – der es irgendwie aus der Förderschule aufs Gymnasium geschafft hat und gern mal sturzbetrunken zum Unterricht kommt…

Wie die beiden dennoch Freunde werden erzählt dieser wunderbare Roman – ein Buch für Außenseiter jeden Alters!

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Emily Bronte: Sturmhöhe (u.a. Manesse)

Natürlich ist es wahrscheinlich überflüssig, einen der großen englischen Klassiker vorstellen zu wollen – aber ich möchte noch einmal an das unglaubliche Lesevergnügen erinnern, das diesen großen Büchern innewohnt, wenn man die Distanz, die durch die altertümlich anmutende Ausdrucksweise geschaffen wird, überwunden hat.

(Wenn Sie diesen Satz ohne zu Zögern überflogen und verstanden haben, sind Sie mehr als bereit für Emily Bronte!)

Als ich in Vorbereitung für einen Literaturabend zum Thema „Britische Literatur“ das Buch erneut zur Hand nahm (und feststellen musste, dass Manesse-Bände zwar ausnehmend hübsch sind, aber ein verflucht kleines Schriftbild haben… vielleicht wird es doch Zeit für eine Lesebrille…) war ich sofort wieder ganz hineingesogen in die dramatische Geschichte um Heathcliff und seine Cathy.

Und immernoch kann ich mir kaum erklären, wie ein noch nicht einmal dreißigjähriges frühviktorianisches Fräulein dieses Buch schreiben konnte.

Lesen Sie es. Und wenn Sie es schon gelesen haben, dann lesen Sie es nochmal. Am besten während der Herbststürme und mit einer guten Tasse Tee dazu.

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Elizabeth von Arnim: Die Reisegesellschaft (Insel)

Auch dieses Buch lese ich zum zweiten Mal, auch in Vorbereitung der schon erwähnten Veranstaltung.

Elizabeth von Arnim (1866-1941) ist eine hinreißende Schriftstellerin, egal, über welches Thema sie schreibt (ihren Garten, ihr Urlaub in Rügen).

„Die Reisegesellschaft“ ist mit Sicherheit ihr witzigstes Buch. Es beschreibt die Silberhochzeitsreise eines preußischen Landjunkers nach England. Jener Baron Otto von Ottringel zieht nebst Gattin, attraktiver Nachbarin und einiger Engländer mit dem Pferde-Wohnwagen durch Sussex. Seiner Verachtung für das verweichlichte Königreich gibt er bei jeder Gelegenheit Ausdruck – und auch sonst läßt er kaum einen Fettnapf aus.

Überaus amüsant!

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Tomas Eloy Martinez: Purgatorio (S. Fischer)

Ein Bestseller aus Argentinien, das ja in diesem Jahr Gastland auf der Frankfurter Buchmesse war – und genau deshalb habe ich den Roman in Vorbereitung auf eine Literaturveranstaltung gelesen.

In Anbetracht der Tatsache, dass ich meist einen Bogen um süd- oder lateinamerikanische Literatur mache, ist mir das Lesen des Romans nicht besonders schwergefallen.  Die Geschichte von Emilia, die in jungen Jahren ihren Mann verliert und die Suche nach ihm nie aufgibt, hat mich schon halbwegs gefesselt.

Aber die in sich verschachtelte Erzählung mit dem typischen „magischen Realismus“ liegt mir einfach nicht. Und wie dieser Roman das Prädikat „sinnlich“ (Buchkatalog.de) verdient haben könnte, hat sich mir gar nicht erschlossen. Interessant ist allerdings, dass man viel über die argentinische Diktatur der Jahre 1976 bis 82 erfährt.

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Marie-Sabine Roger: Das Labyrinth der Wörter (Hoffmann&Campe)

Eine nette kleine französische Geschichte für alle, die Lelord oder Anna Gavalda gerne lesen.

Zwei sehr unterschiedliche Menschen freunden sich beim Taubenfüttern im Park an: Germaine ist Mitte Vierzig, alleinstehend und nicht der hellste Kopf unter der Sonne. Margueritte ist eine sehr gebildete alte Dame, die es sich in den Kopf gesetzt hat, den unbeholfenen Mann in die Welt der Literatur einzuführen. Mit Erfolg…

Diese Art von Romanen wird im Allgemeinen als „charmant“ bezeichnet. Ein prima Geschenk, wenn man den Lesegeschmack des zu Beschenkenden nicht kennt, denn Bücher, die den Genuss des Lesens anpreisen, können ja nie ganz verkehrt sein…

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Deon Meyer: Dreizehn Stunden (Rütten&Löning)

Ein Anruf reißt Inspector Griessel frühmorgens aus dem Schlaf: Eine junge Amerikanerin ist ermordet aufgefunden worden. Ihre Freundin entkam den Mördern und wird offenbar nun durch Kapstadt gejagt. Und eine berühmte Sängerin hat womöglich ihren Mann erschossen. Der Beginn eines mörderischen Tages…

Atemlose Spannung, viel südafrikansiche Atmosphäre: Deon Meyer zu lesen lohnt sich immer!

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