Rebecca Gablè: Das Haupt der Welt

Gable_HauptSo ungefähr ein- bis zweimal im Jahr lese ich einen historischen Roman, meist von Bernhard Cornwell – oder eben von Rebecca Gablé.

Die LeserInnen können bei beiden gut recherchierte, spannende Geschichten mit einigermaßen glaubwürdigen Figuren erwarten.

In diesem Roman erzählt Gablé die Geschichte eines slawischen Fürsten, der als Geisel des sächsischen Königs Otto seine Feinde und deren Religion – das Christentum – nach und nach zu schätzen lernt.

Nicht übermäßig spannend, aber dennoch fesselnd genug, um Geschichtsinteressierte bei der Stange zu halten. Als Urlaubslektüre (wie in meinem Fall) völlig in Ordnung.

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Danielle Hawkins: Dinner mit Rose

Hawkins_DinnerZwischendurch mal ein wenig „Fast-Food-Literatur“…

„Dinner mit Rose“ ist die Sorte von Liebesgeschichte, die leicht und fluffig wegzulesen ist, sympathische Charaktere aufweist, natürlich komplett vorhersehbar ist – aber immerhin einige nette, witzige Dialoge aufweist.

Quasi ein Meg-Ryan-Film – aus den Neunzigern – in Buchform. (Oder, um die Essens-Metapher weiterzuführen: Eine mit Extra-Käse und frischen Tomaten aufgepeppte Tiefkühl-Pizza… Ich glaube, das ist ein Zeichen, langsam das Abendessen anzugehen. Seit wann neige ich zu Essens-Metaphern? Oh! Mein Magen gibt Antwort!)

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Favel Parrett: Jenseits der Untiefen

Parrett_UntiefeEines der traurigsten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Das Debüt der jungen Australierin wurde in ihrer Heimat in den höchsten Tönen gelobt. Man kann das Buch tatsächlich nicht aus der Hand legen, obwohl man weiß, dass es ganz furchtbar wird, dass die Geschichte auf Abgründe zusteuert und im Schrecken endet.

Knapp, präzise und ohne Melodramatik erzählt Parrett die Geschichte dreier Brüder, die ihre Mutter bei einem Autounfall verloren haben. Seitdem sind sie auf Gedeih und Verderb den Launen und Gewaltausbrüchen des Vaters ausgesetzt.

Joe, der Älteste, ist geflohen und lebt eine Zeit bei seinem Großvater, bis auch dieser stirbt und dessen Haus verkauft werden muss. Der dreizehnjährige Miles wird vom Vater zu Männerarbeit auf seinem Fischerboot gezwungen. Er traut sich nicht, fortzugehen, weil er sich für seinen kleinen Bruder Harry verantwortlich fühlt. Doch er kann seinen Bruder nicht immer beschützen…

In seiner Düsternis und Hoffnungslosigkeit hat mich das Buch an Veronique Olmis „Meeresrand“ erinnert. Eine Lektüre, die dem Lesenden einiges zumutet, die ich aber trotzdem vielen Menschen ans Herz legen möchte. Es erzählt von Liebe und glühendem Zorn und von der Ohnmacht und Zerbrechlichkeit junger Menschen. Beeindruckend!

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Nickolas Butler: Shotgun Lovesongs

Butler_ShotgunLittle Wing ist ein unspektakulärer Ort in Wisconsin, ein Ort, an dem sich die meisten Leute irgendwie durchschlagen. Henry und Beth, Ronny, Lee und Kip sind dort aufgewachsen und kennen sich ihr ganzes Leben lang. Beth und Henry sind seit der Schule zusammen und haben eine Familie gegründet, Ronny wurde nach einem Rodeo-Unfall zum „Sorgenkind“ der Stadt. Kip hat Karriere in Chicago gemacht, sich dort aber nie richtig wohlgefühlt. Einzig Lee ist reich und berühmt geworden als Sänger.

Obwohl er mittlerweile mit den Reichen und Schönen verkehrt, kommt Lee immer wieder in seine Heimatstadt zurück, um den Kontakt zu den alten Freunden nicht zu verlieren. Doch der Zusammenhalt des Freundeskreises wird auf eine harte Probe gestellt…

Schnoddrig und ein bißchen sentimental, wie es irgendwie nur amerikanische Schriftsteller hinkriegen. Fast würde ich es eine wilde Mischung aus Hemingway und Robert James Waller nennen. Wie auch immer: Ich habe jede Seite genossen!

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Birgit Kelle: Dann mach doch die Bluse zu

„Ein Aufschrei gegen den Gleichheitswahn“ geht es im Untertitel weiter. Denen, die mich näher kennen, klappt jetzt wahrscheinlich der Unterkiefer herunter. Ich bin auch nicht freiwillig auf die Idee verfallen, das Buch zu lesen, sondern habe ein Exemplar vom Verlag geschenkt bekommen, weil die Autorin demnächst in Dorsten liest.

Birgit Kelle ist Journalisin, gerne Mutter von vier Kindern und freut sich darüber, eine Frau zu sein. Sie freut sich nicht darüber, wenn man sie als „Heimchen am Herd“ diffamiert. Sie wehrt sich gegen Ansprüche der Wirtschaft, Frauen nach der Geburt von Kindern möglichst bald wieder in die Vollzeitarbeit bringen. Und sie tritt natürlich für die Rechte von Embryonen ein, die in unserer Gesellschaft einfach „umgebracht“ werden dürfen.

Insgesamt wirkt Frau Kelle ein wenig wie die kleine, intelligentere Schwester von Eva Herrmann. Mir haben sich beim Lesen die Nackenhaare gesträubt, aber auf eine gruselige Art ist es auch faszinierend, einen Einblick in die Weltanschauung von Menschen zu bekommen, die völlig anders ticken…

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Christina Berndt: Resilienz

Berndt_ResilienzNach so viel gefühlvoller Belletristik musste mal wieder ein Sachbuch her! Christina Berndt ist Biochemikerin und Wissenschaftsjournalistin (SZ) und beschreibt, was Neurobiologen, Genetiker und Psychologen bisher über die psychische Widerstandskraft von Menschen herausgefunden haben.

Gerade in Zeiten von Burn-out, Depressionen und anderen stressbedingten „Volkskrankheiten“ schauen Mediziner und Psychologen vermehrt darauf, warum manche Menschen seelisch stabil bleiben und andere nicht.

Kompakt und verständlich – ein spannendes und leicht lesbares Buch für psychologisch interessierte Laien.

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Natalia Sanmartin Fenollera: Das Erwachen der Senorita Prim

Fenollera_PrimDie Zeitschrift „Elle“ behauptet, dieses Buch sei „eine ganz besondere, gefühlvolle, ungewöhnliche und ermutigende Geschichte um die Schönheit der kleinen Dinge, die kein Herz unberührt lässt.“ Meins schon! Mir gingen Senorita Prim und ihr klugscheißender Arbeitgeber auf die Nerven.

Ein ganz und gar seltsames Buch! Die Besprechungen waren geradezu hymnisch. Zumindest in Spanien. Mich hat allerdings schon das Cover irritiert. Ich glaube, in dem Buch kamen gar keine weiblichen Teenager vor…

Wie dem auch sein, es geht um eine junge Bibliothekarin, die an einen ungewöhnlichen Ort reist, um eine neue Stelle anzutreten: In San Ireneo ticken die Uhren ganz anders als im Rest der Welt. Eine kleine, verschworene Gemeinde hat sich hier eine Enklave geschaffen, in der Kunst und Literatur, Philosophie und Freundschaft einen besonderen Stellenwert einnehmen. Fast schon übernatürlich hochbegabte Kinder und tief religiöse Menschen runden das Ganze ab…

Das war einfach nix für mich! Ich wundere mich immernoch, dass ich es tatsächlich ganz durchgelesen habe. (Im Alter wird man wohl duldsamer 😉 )

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Julie Kibler: Zu zweit tut das Herz nur halb so weh

Kibler_HerzDer Titel hätte schon Warnung genug sein sollen…

Eigentlich habe ich eine Schwäche für Liebesgeschichten, die nicht gut ausgehen, aber dieses Buch habe ich tatsächlich nur bis zum Ende durchgelesen, weil ich nichts anderes mehr hatte. Naja, andererseits habe ich auch schon schlechtere Bücher gelesen…

Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen. Im Jahr 1939 erzählt die junge Isabelle McAllister über ihre Liebe zu einem jungen Mann, den ihre Familie mehr als unpassend findet. Robert Prewitt ist der Sohn der schwarzen Hausangestellten Cora – und seinesgleichen droht in den Südstaaten noch immer ein Lynchmord, sollte er zusammen mit einem weißen Mädchen gesehen werden…

Siebzig Jahre später machen sich Isabelle und ihre junge Freundin Dorrie auf den Weg zu einer Beerdigung. Auf der Fahrt kommen sich die beiden unterschiedlichen Frauen näher. Am Ziel dieser Reise gibt es ein großes, rührendes Wiedersehen mit alten Bekannten und bittersüße Erinnerungen an die große Liebe.

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Abschied von Wolfgang Herrndorf

Eine sehr traurige Nachricht: Letzte Nacht ist Wolfgang Herrndorf gestorben.

Für mich ein Anlass, noch einmal in „Tschick“ zu blättern und zu lesen. Diese wunderbare, witzige, lebenssprühende Freundschaftsgeschichte wird hoffentlich noch lange in den Buchhandlungen verweilen. (Und LeserInnen finden, natürlich…)

Leider wurde Wolfgang Herrndorf nur 48 Jahre alt. Er hätte uns bestimmt noch einige großartige Bücher geschenkt.

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Alain de Botton: StatusAngst

DeBotton_Statusangst„Religion für Atheisten“ wirkt immer noch nach, also habe ich ein älteres Buch meines „Lieblingsphilosophen“ aus dem Regal hervorgeholt. Solche Bücher kann man ja gern mehr als einmal lesen.

De Bottons Thema: Warum ist unsere Gesellschaft so, wie sie ist? Warum das Streben nach Macht (oder zumindest Geld)? Und was sind unsere Alternativen? Ein kluges, amüsantes und ungemein inspirierendes Buch für alle, die nicht mitmachen wollen oder können im ständigen „Höher-Schneller-Reicher“.

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