Frances Greenslade: Der Duft des Regens

Greenslade_DuftMaggie und Jenny wachsen in den 1970er Jahren in der kanadischen Wildnis auf. Besonders Maggie liebt es, mit ihrem Vater durch die Wälder zu streifen, zu fischen und die Nächte unter selbstgebauten Schutzdächern zu verbringen.

Doch eines Tages beginnt das Unglück für die Familie: Der Vater hat einen tödlichen Unfall, die Mutter bringt ihre Kinder bei Fremden unter, um in einem Holzfäller-Camp arbeiten zu können. Anfangs schreibt sie noch Briefe und schickt Geld, doch dann hören die Schwestern nichts mehr von ihr. Schließlich macht sich Maggie auf die Suche…

Wunderbare Naturbeschreibungen und eine fesselnde Familiengeschichte – der ruhig und gradlinig erzählte Roman entführt in die Weiten Kanadas. Für alle, die z.B. „Pferde stehlen“ von Per Pettersson mochten.

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Joey Goebel: Ich gegen Osborne

Goebel_OsborneIch bin begeistert! Heute vormittag blieb alle Hausarbeit liegen, weil ich diesen wunderbaren Roman durchlesen musste…

Im Allgemeinen interessieren mich Kinder und Jugendliche als Romanfiguren nicht so besonders, aber es gibt Ausnahmen (wie Tschick oder Flavia deLuce). Und James Weinbach gehört nun auch dazu! Ein Exzentriker, der im Anzug zur Schule geht und gute Umgangsformen hat – James ist für die Mitschüler ein Freak. Als er erfährt, dass seine angebetete Chloe während der Frühjahrsferien („Spring Break“, für amerikanische Jugendliche anscheinend eine Gelegenheit für Dauerpartys an irgendeinem Strand) nichts hat anbrennen lassen, gerät er total außer Kontrolle. Er trinkt in der Schule Wodka (und wird natürlich dabei erwischt), legt sich mit seinen Mitschülern an und schafft es sogar, den Abschlussball zu verhindern.

Der Roman erzählt sozusagen in „Echtzeit“ diesen einen dramatischen Schultag, an dem sich für James, aber auch für manche Mitschüler einiges verändert. Dabei gelingt es Joey Goebel, die Absolutheit von Gefühlen, wie sie so ziemlich jeder in der Teenagerzeit erlebt hat, glaubhaft darzustellen – auch wenn erwachsene Leser manchmal darüber schmunzeln mögen. (Zum Beispiel wenn James plötzlich beschließt, asexuell zu werden.) Rundum gelungen – mein Buchtipp für alle Teenager, Außenseiter und diejenigen, die die Schule und ihre Mitschüler manchmal gehasst haben…

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K(l)eine Komplimente im Alltag

Gegen Mittag habe ich längere Zeit mit einer hochbetagten Kundin telefoniert, die eigentlich jemand anderen anrufen wollte. Im Laufe des Gesprächs fragte sie mich nach meinem Alter. Darauf antwortete ich wahrheitsgemäß: „Ähhh…* 46“ Und sie, ganz erstaunt: „Tatsächlich? Ich hätte Sie für älter gehalten! Sie sind ja so groß.“

Hmpff! Als Trost habe ich mir dann an diesem recht ruhigen Nachmittag ein wenig Lesezeit gegönnt und den hervorragenden Roman „Ich gegen Osborne“ von Joey Goebel angefangen. (Ein toller Tipp eines Kunden – vielen Dank, Herr W.!)

*Ich bin auf jeden Fall in dem Alter, in dem man schon kurz überlegen muss – die Jahre fliegen so dahin…

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Stefan Klein: Wir alle sind Sternenstaub

Klein_SternenstaubStefan Klein hat schon viele erfolgreiche Sachbücher geschrieben. Als Physiker und Wissenschaftsjournalist hat er das Talent, auch komplexe (natur-) wissenschaftliche Zusammenhänge verständlich darzustellen.

Dieses Buch ist schon 2010 erschienen – und ich habe es jetzt erst zufällig entdeckt. Glück gehabt! Denn es war eine durchaus bereichernde Lektüre.

Für das ZEIT-Magazin hat Stefan Klein mit weltweit führenden WissenschaftlerInnen gesprochen – diese Interviews sind in dem Buch gesammelt. Es geht um Themen, die uns alle bewegen: Liebe, Erinnerung, Gerechtigkeit, Tod. Es ist spannend und durchaus unterhaltsam, einmal einen Einblick in das Denken von Nobelpreisträgern und anderen klugen Köpfen zu bekommen.

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Wenn Buchhändlerinnen nicht hingucken…

Don’t judge a book by its cover!“ sagen die klugen Angelsachsen, das heißt in diesem Fall soviel wie „Wer (Klappentexte) lesen kann, ist klar im Vorteil.“

Tatsächlich habe ich nahezu meinen Ruf als Fachkraft aufs Spiel gesetzt, weil ich  unverdrossen behauptet habe, die aktuellen Bücher auf den ersten beiden Plätzen der Taschenbuch-Bestsellerliste („Crossfire“ von Sylvia Day) seien Thriller. Für mich klingt der Titel „Kreuzfeuer“ nach Krimi und auf dem ersten Buch meinte ich Wanzen (also kleine Abhörgeräte, nicht die Tiere) zu erkennen. Tatsächlich sind es aber wohl Manschettenknöpfe und es geht um eine gewisse Eva, die „sich auf ein Spiel einlässt, das immer ernster wird, und ihre dunkelsten Sehnsüchte und geheimsten Fantasien entdeckt…“ (Klappentext) Ups!

Von jetzt an werde ich mir wieder mehr Zeit beim Auspacken der Neuerscheinungen nehmen und über mir unbekannte Bücher erstmal Auskunft einholen…

 

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Entsetzen!

An dieser Stelle ist doch einmal eine Entschuldigung an meine(n) Leser (und womöglich auch Leserinnen, so es sie gibt) angebracht – ich wusste ja nicht, dass es so schlimm ist…

Gerade eben habe ich auf www.faz.net einen Text aus diesem Blog – und zwar einen schön langen – in den „Stiltest“ der FAZ kopiert. (Funktioniert so: Man gibt ein selbstgeklöppeltes Elaborat ein, und das unbestechliche Programm sagt einem binnen einiger Sekundenbruchteile, wie man schreibt.)

Ich hatte ja nicht unbedingt damit gerechnet, die Maschine würde mir schmeichelnd bestätigen, dass ich wie Rilke schriebe. Oder auch meinetwegen Horst Evers. Aber CHARLOTTE ROCHE ?!? Hallo?!? Geht´s noch??

(Vielleicht lag der Fehler in der Textauswahl – ich hatte den Text über „Shades of Grey“  zur gefälligen Überprüfung vorgelegt. Wahrscheinlich reicht schon das Vorhandensein von Wörtern wie „Porno“, „Mist“ und „Frauen“, um mich stilistisch in eine Ecke mit der „Feuchtgebiete“-Autorin zu stellen.)

 

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Joe R. Lansdale: Dunkle Gewässer

Lansdale_GewaesserInteressant: Wie schon „Kahlschlag“ ist auch der neue Roman von Lansdale aus der Perspektive einer Frau geschrieben – diesmal sogar einer Ich-Erzählerin. Der Mann hat offensichtlich ein Faible für starke Frauenfiguren – sehr sympathisch!

Der Roman schwankt zwischen Abenteuergeschichte und Krimi. Am Anfang steht ein Mord, begangen an einem hübschen jungen Mädchen. Dessen Bruder soll Geld aus einem Banküberfall versteckt haben. Sue Ellen (die Erzählerin) und ihre Freunde Jinx und Terry finden das Geld tatsächlich – und werden daraufhin von allen möglichen Leuten verfolgt, von korrupten Gesetzeshütern ebenso wie von einem unheimlichen, irren Fährtensucher und Killer, der seinen Opfern die Hände abhackt.

Auf einem Floß flüchten sie Richtung Süden, doch auch der Fluss bietet kaum Sicherheit. Sie erleben auf ihrer Reise Hilfsbereitschaft und Verrat – und die Verfolger kommen ihnen immer näher. Und dann macht Sue Ellen eine verstörende Entdeckung, die den Mord an ihrer Freundin in einem völlig neuen Licht erscheinen lässt…

Das Buch ist so eine Art „Huckleberry Finn“ für Erwachsene. (Und zwar für Erwachsene, die nicht pingelig sind, wenn es um fiese Morde und viel Blut geht…) Erstklassige Spannungsliteratur!

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E.L. James: Shades of Grey

Keine Panik! Natürlich habe ich die Bücher nicht gelesen, ich wollte nur meine Fangemeinde erschrecken… (Hej Klaus!)

Tatsächlich benutze ich diesen Artikel, um doch noch Dampf abzulassen. Zwar hat die Hysterie um diese schlecht geschriebenen Billigsoftpornos nachgelassen, aber die drei Machwerke stehen immer noch hochplaziert auf der Bestsellerliste und ein paar Nachzüglerinnen kaufen sie nach wie vor.

Zum Beispiel heute wieder. Ich weiß, dass man als Buchhändlerin völlig neutral bleiben sollte, aber manchmal sträuben sich bei mir bei der Frage „Und? Haben Sie die auch schon gelesen?“ einfach die Nackenhaare. Als im Ruhrgebiet sozialisierter Mensch schwebt mir da spontan eine deutliche Antwort vor. Die ich aus Höflichkeit natürlich nur denke. Prinzipiell freuen sich Buchhändlerinnen über jeden Kunden, der noch Buchhandlungen betritt und so hilft, die kargen Lebensbedingungen dieser gefährdeten Spezies zu verbessern. Danke an all diese wunderbaren Menschen!

AB HIER NICHT WEITERLESEN, WENN SIE „SHADES OF GREY“ GEKAUFT HABEN!

Aber jetzt mal ganz unter uns: Muss es wirklich so ein dämlicher Mist sein? Wenn ich auf einer einsamen Insel mit nur einem einzigen Buch von E.L. James landen würde, wäre ich froh darüber, nicht Palmenblätter als Toilettenpapier benutzen zu müssen, um es mal vorsichtig auszudrücken. Ich habe wirklich nichts gegen Unterhaltungsliteratur, aber es sollte für gestandene, intelligente Frauen  – und auch für die weniger intelligenten – doch Grenzen geben! Wenn die Welt eines nicht mehr braucht, dann diese doofen Märchenprinz-Geschichten, in denen die Protagonistinnen jung(fräulich), naiv und ungeschickt sind und dann an einen gutaussehenden, reichen Millionär geraten.

Ich konnte schon „Pretty Woman“ nicht ausstehen, aber diese Grey-Saga schlägt doch nun echt dem Fass den Boden aus! Jetzt reicht es für die Frau nicht mehr aus, jung und schön, tugendhaft und naiv zu sein, um den Märchenprinzen zu bekommen – sie muss sich auch noch fesseln und prügeln lassen!

Im 21. Jahrhundert sollte sich doch allmählich die Vorstellung von einer Beziehung auf Augenhöhe durchgesetzt haben. Mit Hedwig Dohm möchte ich meinen Geschlechtsgenossinnen zurufen: „Mehr stolz, Ihr Frauen!“ Bei mir löst diese neue Unterwürfigkeits-Mode den heftigen Drang aus, mich beim Boxen anzumelden – dabei würden das meine Gelenke gar nicht mehr mitmachen (von der Kondition mal ganz zu schweigen…)

P.S.: Alice Schwarzer fand die Bücher nicht ärgerlich, sondern hat sie in der EMMA als harmloses „Liebesmärchen“ bezeichnet. Aber wer sogar Werbung für die Bildzeitung macht, taugt nur bedingt zum Maßstab in solchen Fragen…

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Raquel J. Palacio: Wunder

Palacio_WunderDie Zeitung „The Guardian“ schreibt: „Ein Buch, das erwachsene Männer zum Weinen bringt“. Das machte mich natürlich neugierig – zudem liegt man mit einem Buch aus dem Hanser Verlag nie ganz falsch. Und siehe da: Die Geschichte geht wirklich zu Herzen. Ich wünsche mir, dass dieses Buch einmal Schullektüre wird!

Der Roman wird zu großen Teilen aus der Sicht von August Pullman erzählt, einem 11-jährigen Jungen, dem ein großes Abenteuer bevorsteht: Er besucht zum ersten Mal eine Schule. Bislang wurde er zuhause von seiner Mutter unterrichtet, denn August ist nicht wie andere Kinder. Durch einen Gendefekt ist sein Gesicht völlig deformiert, er musste schon als Kleinkind häufig operiert werden. Er ist es zwar gewohnt, angestarrt zu werden, aber die Schule stellt ihn vor ganz neue Herausforderungen.

Einige Kapitel des Buches werden von Augusts Mitschülern, Freunden oder seiner Schwester erzählt. Diese Perspektivwechsel machen das Buch noch lebendiger.

Eine wunderbare Lektüre für Kinder ab elf oder zwölf, die nicht nur Action und Abenteuer suchen. Wenn Bücher zur Herzensbildung beitragen können, dann solche!

 

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Bascha Mika: Die Feigheit der Frauen

Mika_FeigheitDie ehemalige „taz“- Chefredakteurin geht mit ihren Geschlechtsgenossinnen hart ins Gericht: Zu viele Frauen landen in der „Bequemlichkeits-Falle“. Gut ausgebildet und hochmotiviert starten sie ins Berufsleben, nur um dann Familienarbeit zu leisten und anschließend in einem Halbtagsjob ins berufliche Abseits zu wandern.

Frauen stellen oft die Beziehung über die Karriere, ein Mann definiert sich mehr über seinen beruflichen Werdegang. Die wenigsten Männer würden einen vielversprechenden Job aufgeben, um mit ihrer Liebsten in eine andere Stadt zu ziehen…

Auch bei den Mädchen und jungen Frauen sieht es oft deprimierend aus: Obwohl ihnen in Sachen Ausbildung alle Türen offen stehen, definieren sich viele nur noch über ihr Äußeres, „Model“ ist der neue Traumberuf…

Diese und andere unschöne Wahrheiten bringen Bascha Mika offensichtlich in Rage – daher diese überaus engagierte Streitschrift.

Aus aktuellem Anlass (Bascha Mika liest am 20.03.13 in Dorsten) habe ich das Buch noch einmal hervorgeholt (und endlich zuende gelesen).  Frau Mika hat sicherlich in vielen Punkten recht, allerdings wiederholen sich die Argumente im Laufe des Buches.

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