Kathrin Aehnlich: Wenn die Wale an Land gehen

Aehnlich_WaleIhren vorigen Roman, „Alle sterben, auch die Löffelstöre“ musste ich schon aufgrund des Titels lesen. Und auch das neue Buch von Kathrin Aehnlich habe ich mit Interesse (und manchmal Vergnügen) gelesen.

Roswitha Sonntag ist um die fünfzig und hat eine gescheiterte Ehe hinter sich, als sie beschließt, ihre Jugendliebe Mick in den USA aufzuspüren. In den 1980er Jahren verschwand ihr Freund plötzlich aus der DDR, zermürbt von den Widrigkeiten des Alltags und der Überwachung. Ihre Künstler-Clique wurde aufgerieben – Roswitha hat sich widerwillig in das Alltagsleben und in eine Ehe mit einem soliden jungen Mann gefügt.

Nach dem Ende ihrer Beziehung will sie jedoch herausfinden, was aus Mick wurde und macht sich auf nach New York. Die Stadt hält einige Überraschungen für sie bereit.

Das Buch ist empfehlenswert für alle, die sich für das DDR-Lebensgefühl in den Achtzigern interessieren. Für mich die Kategorie „Haut mich nicht vom Hocker, habe ich aber immerhin bis zum Ende gelesen.“

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Sebastian Fitzek: Noah

Fitzek_NoahIch hätte nicht gedacht, dass ich jemals ein Buch von Sebastian Fitzek lesen würde – er schreibt nämlich Romane mit so abschreckenden Titeln wie „Der Augensammler“.

Sein neues Buch ist zwar auch nicht frei von brutalen Szenen, dreht sich aber nicht um psychopathische Serienkiller, sondern um eine weltumspannende Verschwörung. Es erinnerte mich ein wenig an die Romane von Andreas Eschbach („Eine Billion Dollar“, „Ausgebrannt“).

Erzählt wird die Geschichte eines Obdachlosen, der ohne Gedächtnis durch Berlin streift. Auf seiner Hand ist „Noah“ eingeritzt – und er wird verfolgt. Nach und nach findet er heraus, dass er Teil einer furchtbaren Verschwörung ist.

Ein Thriller mit Zivilisationskritik: Immer wieder wird darauf hingewiesen, wer den Preis für unserern Wohlstand bezahlt. Lesenswert auch das im Buch enthaltene Interview mit Sebastian Fitzek.

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Mark Childress: Haben Sie das von Georgia gehört?

Childress_georgiaEin nett zu lesender, aber nicht besonders anspruchsvoller Südstaaten-Roman. Mark Childress hatte in den Neunziger Jahren mit „Verrückt in Alabama“ einen erfolgreichen Bestseller vorgelegt.

Auch hier steht eine eigenwillige Frau im Mittelpunkt: Georgia Bottoms ist eine respektierte Person in ihrer kleinen Gemeinde Six Points in Alabama. Aber vom Vermögen der Familie ist nicht mehr viel übrig, das schöne Haus, in dem sie wohnt, verfällt allmählich.

Doch Georgia weiß ihr gutes Aussehen und ihren Charme einzusetzen: Jeden Abend von Dienstag bis Sonntag empfängt sie einen der einflussreichen Herren der Kleinstadt – den Richter, den Arzt, den Pastor, den Sheriff…

Georgia hat alles unter Kontrolle, bis einer dieser Männer die Nerven verliert und ihr Verhältnis öffentlich „beichten“ will. Sie kann die Katastrophe gerade noch verhindern, aber ihre drastischen Maßnahmen haben turbulente Folgen…

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Jeannette Walls: Die andere Seite des Himmels

Walls_SeiteWie schon ihre ersten Bücher „Schloss aus Glas“ und „Ein ungezähmtes Leben“ ist auch der neue Roman von Jeannette Walls eine prima Empfehlung in der Kategorie „Frauenbuch“.

Erzählt wird die recht abenteuerliche Geschichte der Schwestern Liz und Beany, die mit ihrer neurotischen alleinerziehenden Mutter ein chaotisches Leben führen. Schon in jungen Jahren lernen sie, sich nicht auf die Erwachsenen (vor allem auf die eigene Mutter) zu verlassen, sondern für sich selbst zu sorgen.

Als jedoch eines Tages nach einem Streit ihre Mutter so lange wegbleibt, bis das Jugendamt vor der Tür steht, müssen sich die Schwestern auf den Weg zu einem Verwandten machen. Sie fahren in den Geburtsort ihrer Mutter und kommen bei ihrem Onkel Tinsley unter. Doch auch in der Kleinstadt Byler in Virginia läuft nicht alles gut für sie…

Eine fast märchenhafte, flott erzählte Geschichte mit zwei unwiderstehlichen Heldinnen – auch für Teenager geeignet!

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James Salter: Alles, was ist

Salter_AllesDas hochgelobte Buch (Die Zeit: „Zum Niederknien“) hat mich seltsamerweise ziemlich kalt gelassen. Außerdem fand ich die Übersetzung an manchen Stellen seltsam. (siehe zum Beispiel Seite 47, 2. Absatz – rätselhaft…)

Trotzdem ein gutes Buch, natürlich.

Es nervt mich aber, was ich an vielen „alten Herren“ unter den amerikanischen Schriftstellern fragwürdig finde: Die Selbstverständlichkeit, mit der reihenweise schöne Frauen dem Protagonisten Bowman erliegen. Die Selbstverständlichkeit, mit der er dreißig Jahre jüngere Frauen ins Bett kriegt. (Das ist vielleicht eine sehr oberflächliche Betrachtungsweise, aber hier ist mir bei den Herren Schriftstellern zu sehr der Wunsch der Vater der Ideen…aber das nur am Rande…)

Eigentlich handelt es sich um eine melancholische, fast traurige Geschichte – der Verlauf des Romans wird durch die schreckliche Szenerie des Pazifikkriegs auf den ersten knapp zwanzig Seiten vorgegeben. Nach diesem Trauma lebt die Hauptfigur ihr Leben in seltsamer Distanz zu Menschen, ja zum eigenen Dasein. Bowman ist nie wirklich glücklich, alle Beziehungen enden nach einem mehr oder weniger kurzen  Rausch.

Insgesamt kann für mich James Salters Buch (übrigens sein erstes nach über dreißig Jahren Schreibpause) nicht mit John Williams´“Stoner“ mithalten.

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Facebook kennt mich aber schlecht…

Als ich vor ziemlich genau drei Jahren mal geistig nicht ganz auf der Höhe war, habe ich mich bei Facebook angemeldet. (Jaja, schon in Ordnung, es kann ja auch ab und zu ganz nützlich und amüsant sein, aber ich will eigentlich vieles von dem, was mir da zugepostet wird, gar nicht wissen.)

Jedenfalls habe ich gerade eine Funktion entdeckt, mit der man die Welt wissen lassen kann, welche Bücher man gelesen hat bzw. lesen will. Damit der verwirrte Facebook-Nutzer jetzt nicht in sein Bücherregal schauen muss oder (noch schlimmer) in seinem Gedächtnis wühlen, hat Facebook vorausschauend eine Auswahl von Buch-Covern eingestellt, die man anklicken kann.

Ich würde zu gern wissen, ob diese Auswahl bei jedem User gleich ist oder ob der Konzern nur mir so einen seltsamen Lesegeschmack unterstellt. Das erste Buch ist ausgerechnet „Shades of Grey“ (würg!), dann kommen „Harry Potter“ und Nicholas Sparks, Stephen King und jede Menge Asterix-Comics und das Bilderbuch „Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich habe“ auf englisch.

Vielleicht sollte ich es positiv sehen. Wenn da tatsächlich Titel von Torsten Sträter, John Williams, James Salter und Kurt Flasch aufgetaucht wären, wäre das verdammt beunruhigend…

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Christian Buder: Die Eistoten

Buder_EistotenDer seltsamste Krimi des Jahres! (Und das meine ich nicht positiv…)

Ich würde von mir behaupten, dass ich keine Abneigung gegen schräge Krimis hege – aber dieser hier war mir zu verschwurbelt. Die ermittelnde Hauptfigur ist eine neunmalkluge Elfjährige, Alice. Sie liest Bücher über Serienmörder und gibt sich als Nachwuchs-Psychologin.

Nichts gegen minderjährige Detektivinnen (siehe Alan Bradleys wunderbare „Flavia de Luce“), aber dieses Kind fand ich einfach nur nervig. Außerdem sieht es tote Philosophen – vor allem Ludwig Wittgenstein, mit dem es gern diskutiert. Ich habe auch nichts gegen verstorbene Begleiter von Ermittlern – bei Inpektor Rutledge (Romane von Charles Todd – unbedingt lesen!) fand ich es geradezu herzzerreissend, dass er immer seinen toten Kameraden gesehen hat.

Hier aber ist die Konstruktion einfach nur seltsam und fragwürdig. Außerdem ist der gesuchte Täter, der auch Alices Mutter umgebracht hat (obwohl alle an einen Unfall glauben), auch noch ein Psychopath, der Morde auf eine bestimmte Weise inszeniert. Damit erspart sich ein Krimi-Autor immer ein glaubwürdiges Motiv, finde ich.

(Im Allgemeinen finde ich Serienmörder unglaubhaft und einfallslos. Meist geht es den Autoren nur darum, bizarre Morde zu erfinden…)

Da der Autor selbst Philosoph ist, hat er sich bei der Geschichte bestimmt viele hochtrabende Gedanken gemacht – aber mich hat das Ergebnis kein bisschen überzeugt.

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Jesper Stein: Unruhe

Stein_UnruheDie Flut skandinavischer Krimis reißt nicht ab! Mit seinem Kommissar Axel Stein hat Jesper Steen einen „typischen“ nordischen Polizeibeamten geschaffen: Er ist tüchtig im Job, seinen Vorgesetzten ein Dorn im Auge und privat von einer gescheiterten Beziehung gebeutelt. Im Norden nichts Neues…

Gut, nach dem großartigen „Stoner“ ist es schwierig, passenden Lesestoff zu finden. Tatsächlich habe ich eine zweitägige Lesepause eingelegt, um dieses wunderbare Werk noch nachhallen zu lassen.

Dann aber Kontrastprogramm: Ein Krimi, den man eigentlich nur als Dutzendware bezeichnen kann. Liest sich gut weg, man vergisst Handlung und Figuren aber ungefähr eine halbe Stunde nach dem Zuklappen des Buches.

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Torsten Sträter: Der David ist dem Goliath sein Tod – live

Gestern Abend hat es Herrn Sträter in die hiesige VHS verschlagen und so kam ich in den Genuss eines Live-Hörbuchs, sozusagen. Die Geschichten sind natürlich noch viel witziger, wenn der Meister selbst sie vorträgt.

Und was er auf der Bühne herumimprovisiert, ist auch nicht von schlechten Eltern. Nur zwei kleine Kostproben: „Kennen Sie Bubble-Tea? Die Kügelchen sind doch so, als hätte ein großer Butt in den Becher gelaicht!“ Oder, mein persönlicher Favorit: „Ja, lutsch´ mich rund und nenn´ mich Bärbel!! – Nie gehört? Früher sagte man „Potztausend“…“ (Nur jahrelanges Hochleistungs-Beckenbodentraining hat verhindert, dass ich mich an dieser Stelle vor Lachen… na, Sie wissen schon…)

Andere Zuschauer hat es noch ärger getroffen. Ich habe einen Mann in der fünften Reihe beobachtet, den es vor Lachen kaum noch auf dem Stuhl gehalten hat. Außerdem hatte er schon eine ungesunde Gesichtsfarbe. Ich fing automatisch an, die Leute im Saal nach möglichen Ersthelfer-Fähigkeiten abzuscannen. Wahrscheinlich hätte ich auf Jörg, den Tontechniker gesetzt. Oder auf Marc von der Buchhandlung König – BuchhändlerInnen sind ja meist vielfältig talentiert ;-). Naja, meine eigenen Kenntnisse lebensrettender Maßnahmen sind sträflich bescheiden – aber ich kann prima Pflaumenmarmelade kochen.

Ganz zu schweigen von meiner Konzentrationsfähigkeit.

Wo war ich? Ach ja, Torsten Sträter… Also, wer an dem Abend dummerweise etwas anderes vorhatte (oder zu geizig war, dem Tierschutzverein zwanzig Ocken zu latzen), hat etwas verpasst! Doch es bleibt ihm oder ihr die Chance, für lächerliche 12,90 Euro ein Werk von Torsten Sträter zu erstehen und somit einen Abglanz dieses Abends in die eigene Stube zu holen.

P.S.: Es stehen momentan sogar noch zwei signierte Exemplare in der Buchhandlung!

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John Williams: Stoner

Williams_StonerGerade habe ich die letzte Seite dieses Romans gelesen und frage mich jetzt, wie ich über ein so großartiges Lese-Erlebnis schreiben soll, ohne in Pathos zu verfallen (und damit meine wenigen LeserInnen zu vergraulen).

Es gibt kaum Tage, an denen ich nicht lese. Eigentlich lese ich immer irgendein Buch. Viele davon sind spannend, unterhaltsam oder informativ. Von den meisten bin ich auf die eine oder andere Art gefesselt, lese sie gern.

Man begegnet diesen Büchern, wie man netten Mitmenschen begegnet: Freundlich, aufgeschlossen, womöglich herzlich – aber auch ein wenig oberflächlich. Man hat zusammen eine gute Zeit. Wenn diese Zeit vorbei ist, verblasst auch die Erinnerung an die gemeinsam verbrachten Stunden.

Ab und zu trifft man jedoch auf ein Buch (und natürlich auch auf einen Menschen), von dem man weiß, dass es (oder er) auf eine schwer zu definierende Art fortan zum eigenen Leben gehören wird.

„Stoner“ ist so ein Buch für mich.

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