Urlaubslektüre 2011

Ein Leseplatz mit AussichtAuch wenn die Lektüre zumeist an einem idyllischen Ort (siehe nebenstehende Abbildung) erfolgte: Diesmal habe ich bei der Krimi-Auswahl größtenteils daneben gegriffen und der mit Freuden eingepackte neue Roman von Anthony McCarten entpuppte sich auch als Enttäuschung. (Natürlich ist ein schwacher McCarten immer noch lesenswerter als mancher Bestseller!)

Da einige der Bücher noch nicht erschienen sind, kann hier keine ausführliche Besprechung erfolgen, also ganz kurz:

Aevar Örn Josepsson: „Wer ohne Sünde ist“

Einer der langweiligsten Krimis, die ich je gelesen habe…

Viveca Sten: „Tödlicher Mittsommer

Sten ist die Camilla Läckberg der schwedischen Ostküste. Leider erzählt sie nicht ganz so gut und die Figuren sind auch blasser.

Melanie McGrath: „Im Eis“

Das Krimi-Highlight in diesem Urlaub! Erscheint aber erst im September und wird dann ausführlicher vorgestellt.

Berharnd Jaumann: „Die Stunde des Schakals“

Der in Namibia spielende Roman des Krimipreisträgers Jaumann ist durchweg fesselnd erzählt, sehr atmosphärisch und hat eine richtig sympathische Hauptfigur.

Anthony McCarten: „Liebe am Ende der Welt“

Tja, siehe oben… (Erscheint Ende August.)

Außerdem hatte ich noch ein englisches Jugenbuch dabei, das sehr amüsant war, nämlich „Skulduggery Pleasant“ von Derek Landy. Und in das neue Buch von Louis Sachar („Löcher“) habe ich auch geschaut, aber das Thema „Bridge“ war mir zu aufreibend für einen entspannten Urlaub…

Mehr habe ich in den knapp drei Wochen nicht geschafft – das Wetter war einfach zu schön!

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Aus dem Alltag einer verwirrten Buchhändlerin

Gut, das ist jetzt nicht das eigentliche Thema meines Blogs, aber manchmal passieren so außerordentlich erschütternde Dinge, dass man darüber schreiben muss, um sie zu verarbeiten – da kann ein Blog schon helfen!

Zur Wiederherstellung meines seelischen Gleichgewichts muss ich Ihnen hier und jetzt die Geschichte des wahrscheinlich peinlichsten Vorfalls meines Arbeitslebens erzählen (Noch schlimmer als: „Ihr Vater hat auch noch ein Buch bei uns liegen…“ – „Das ist nicht mein Vater, das ist mein Mann!“) :

Nach völlig unzureichenden vier Stunden Schlaf  – am Vortag hatten wir unseren monatlichen Literaturabend, danach ist für mich an gesundes Schlummern  nicht zu denken – kam ich ohne meine Armbanduhr (!) im Laden an. Der Vormittag verging rasch, Schlafmangel und leicht eintöniges Arbeiten ließen bei mir jedes Zeitgefühl abhanden kommen… Irgendwann sah ich auf die schöne Uhr, die unseren Laden ziert, tja, und das ist so eine mit nur vier Punkten auf dem Ziffernblatt statt zwölf deutlicher Zahlen. Mit dem Lesen dieser Uhren ist es so ein bisschen wie mit der spontanen Zuordnung von rechts und links. Manchen Leuten fällt das leicht und sie irren dabei nie. Bei mir ist das eher eine Sache von 50:50.

Ich schaue also auf diese schöne, aber völlig unpraktische Uhr und stelle fest, dass ich ja schon seit zehn Minuten Mittagspause habe, also: Kartenständer reinholen, Tür abschließen, Licht aus, Mantel an und hurtiger Abgang! Verabredet bin ich nämlich auch noch…

Die Mittagspausenverabredung taucht aber nicht auf… hm, vielleicht wollten wir uns doch woanders treffen? Ich trinke allein meinen Kaffee und wundere mich ein bisschen, dann geht es zurück zum Laden. Ich stelle meine Tasche ab, hänge meine Jacke auf, mein Blick fällt auf die Bürouhr… und die Schnappatmung setzt ein: 13.50 Uhr!!! Ich habe eine Stunde zu früh Mittagspause gemacht!

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Patrick Rothfuss: Der Name des Windes

Man hat ja schon kaum noch damit gerechnet, dass Patrick Rothfuss seinen Erfolgsroman tatsächlich fortsetzt. (Zeitweise schien er mehr damit beschäftigt, in seinem  – sehr lesenwerten – Blog zu erklären, warum der Erscheinungstermin von „A Wise Man´s Fear“ immer wieder verschoben werden musste.)

Wie Klett-Cotta jetzt angekündigt hat, soll die deutsche Übersetzung im Oktober 2011 erscheinen – also Zeit genug, „Der Name des Windes“ noch einmal zu lesen. Wer hat schon nach drei langen Jahren diese komplexe Geschichte noch so parat, dass er einfach wieder einsteigen könnte?

Und für alle, die das Buch noch nicht gelesen haben: Es lohnt sich! Auch für diejenigen, die um fantastische Literatur bisher einen Bogen gemacht haben. Wenn Sie mir nicht glauben, dann vielleicht einem leibhaftigen Literaturkritiker, nämlich Dennis Scheck (siehe www.daserste.de/druckfrischthema_dyn~id,247~cm.asp).

Ich jedenfalls freue mich aufs Wiederlesen.

(Wenn ich das ***te Buch wiederfinde – wem habe ich das bloß vor drei Jahren geliehen?!? Und wann fange ich endlich an, mir sowas aufzuschreiben?)

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Dennis Gastmann: Mit 80.000 Fragen um die Welt

Ein wunderbares Buch für Weltenbummler und alle, die fremde Länder lieber mit einem Buch auf dem Sofa erkunden. Dennis Gastmann ist für den NDR zwei Jahre lang um die Welt gereist, um Zuschauerfragen zu klären wie „Warum ist Holland in Not?“, „Wie stirbt es sich in Texas?“ oder „Wie schön ist Panama?“.

Aus jedem Land bringt Gastmann spannende und kurzweilige Geschichten mit. Ob er in Spanien den Stierkampf übt oder sich in Texas mit der Polizei anlegt – immer geht Gastmann unerschrocken der Aufklärung seiner Fragen nach. „Hartnäckig wie Michael Moore und furchtlos wie Borat, nur viel charmanter…“, so wird Dennis Gastmann völlig zu Recht im Klappentext des Buches vorgestellt.

Sein lockerer Ton macht das Buch zu einer idealen Urlaubslektüre, auch wenn die einzelnen Geschichten den einen oder anderen vielleicht eher in seiner Meinung bestätigen, dass es zuhause doch am schönsten (und ungefährlichsten) ist…

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Kristin Marja Baldursdottir: Kühl graut der Morgen

Thorsteina Thorsdottir unterrichtet an einer isländischen Gesamtschule und träumt von einem Leben im Süden (auch wenn das Trinkwasser nirgendwo so gut ist wie in ihrer Heimat…). Besonders die französische Lebensart hat es ihr angetan: Sie kocht Sechs-Gänge-Menüs für ihre Kolleginnen, hat einen Liebhaber in Marseille und ein französisches Wörterbuch auf ihrem Nachttisch.

Disziplin bestimmt ihr Leben. Stets untadelig und sehr elegant, bietet ihre kühle, arrogante und strenge Art den Schülern wenig Angriffsfläche. Sie hält sich für eine begnadete Pädagogin. Ihre erste Regel: „Ich gebe nie auch nur ein Gramm nach!“

So verfolgt sie mit Schaudern den neuen Aushilfslehrer, der mit seinem lockeren Auftreten zunächst von den Schülern gemocht wird, dessen Autorität aber immer weiter untergraben wird – bis seine Klasse völlig außer Kontrolle gerät. Als der junge Mann von Schülern überfallen wird, sieht Thorsteina rot…

Wer Baldursdottirs eher gefälligen Roman „Die Eismalerin“ gelesen hat, wird von dieser doch recht bösen Geschichte überrascht sein.  Die Isländerin ist eine raffinierte Erzählerin, und obwohl die Hauptfigur nicht unbedingt sympathisch auftritt, wird man doch von dieser „Heldin“ in ihren Bann gezogen.

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Sarah Waters: Der Besucher

Ein langsam verfallendes englisches Landhaus mit exzentrischen Bewohnern wird zum Lebensmittelpunkt des Landarztes Faraday. Schon seine Mutter war bei der Familie Ayres angestellt, inzwischen ist die einstmals wohlhabende Familie jedoch verarmt. Mrs Ayres und ihre erwachsenen Kinder Caroline und Rodney haben nur noch wenig gesellschaftlichem Umgang. Umso mehr sind Faradays Besuche erwünscht. Langsam kommt er vor allem Caroline näher.

Zunehmend beunruhigend wird allerdings Rodneys Verhalten. Er versucht, das Haus für die Familie zu erhalten, gleichzeitig scheint er von etwas Schrecklichem verfolgt zu werden. Da der junge Mann nach wie vor an einem Kriegstrauma zu leiden scheint, sorgt Faraday für eine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik. Doch auch damit werden die verstörenden Vorgänge in Hundreds Hall nicht weniger…

Das Buch verbreitet eine schon fast altmodische Schaueratmosphäre, inklusive seltsamer Geräusche, Stimmengewisper, Klopfen in der Wandvertäfelung und anderer unheimlicher Begebenheiten. Es ist flüssig erzählt, die Figuren bleiben aber seltsam blass. Mein Fazit: Nicht unspannend, aber letzlich nicht überzeugend.

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Ceri Radford: Das Leben ist kein Gurkensandwich

Constance Harding ist der Inbegriff einer englischen Lady: Sie liebt Tee, umsorgt ihren Mann, mischt sich in das Leben ihrer Kinder ein (auch wenn die längst ausgezogen sind) und läutet Kirchenglocken (im Verein!).

Nur die litauische Haushälterin bringt sie manchmal ein wenig aus der Fassung. Bei genauerer Betrachtung –  die Constance ausgerechnet mittels eines Online-Tagebuchs betreibt – läuft allerdings mehr und mehr schief in ihrem beschaulichen Leben: Ihr Sohn will nicht heiraten und wehrt ihre Verkupplungsversuche immer wieder ab. Ihre Tochter scheint völlig auf die schiefe Bahn zu geraten zu sein und meldet sich für eine englische Version von „Big Brother“ an, statt zu studieren. Und ihr Ehemann benimmt sich höchst eigenartig…

Liest sich flott und tut nicht weh – ein echtes „Schwiegermutter-Buch“! (Also ein Buch ohne explizite Sex- oder Gewaltszenen, das man ohne Bedenken jenen weiblichen Verwandten schenken kann, die einen nicht beim nächsten Kaffeetrinken scheel ansehen sollen.)

 

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Najat El Hachmi: Der letzte Patriarch

Ein spannendes Familienportrait über drei Generationen.

Die Erzählerin beginnt diese Geschichte mit der Geburt ihres Vaters Mimoun, des „letzten großen Patriarchen“ der Driouchs. Als nach mehreren Mädchen endlich ein Sohn geboren wird, sind die Großeltern überglücklich.

Allerdings beginnt der Junge bald, ihnen Kummer zu bereiten. Von Mutter und den älteren Schwestern maßlos verwöhnt, entwickelt er sich recht bald zu einem selbstgerechten Egomanen. Seine Wutausbrüche sind gefürchtet – und nicht einmal seine jüngeren Geschwister sind vor ihm sicher. Er schreckt vor brutalen Misshandlungen nicht zurück – das muss auch seine Frau erfahren. Während Mimoun in Spanien arbeitet, um Geld für die Familie zu verdienen, hat er zahlreiche Affairen und auch längere Beziehungen. Die beendet er auch nicht, als seine Familie ihm nach Spanien folgt, seine Ehefrau muss die „Zweitfrau“ akzeptieren.

Seine Tochter jedoch, die in Katalonien aufwächst, beginnt sich mehr und mehr aus der Vormundschaft des Vaters zu lösen…

Mitreißend und aufwühlend – obwohl Najat El Hachmi stets einen distanzierten Ton anschlägt, mal ironisch, mal fast „unterkühlt“ erzählt, kann man sich dem Sog dieser dramatischen Geschichte einfach nicht entziehen.

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Markku Ropponen: Finnischer Mittsommer

Der erste Band um den finnischen Privatdetektiv Otto Kuhala wird sicher nicht der letzte aus der Reihe sein, den ich lese!

Wie es sich für einen Finnen gehört, pflegt Ropponen einen etwas verschrobenen Schreibstil – die Figuren sind sympathisch und angemessen exzentrisch.

Kuhala ist ein Privatdetektiv mit genre-(oder landes?-) typischem Hang zu geistigen Getränken, der von einem Ehepaar beauftragt wird, die verschwundene Tochter zu suchen. Wie der Leser erfährt, verschwinden wohl gerade um Mittsommer herum viele finnische Jugendliche – meist tauchen sie auf einem der zahlreichen Rockfestivals auf. Nicht so Suvi – ihre Leiche findet Kuhala zufällig in einem Steinbruch. Außerdem bekommt er es noch mit der Polizei zu tun, da er einen ermordeten Millionär kurz vor dessen Tod aufgesucht hat. Und das alles in einem brütend heißen, trockenen Sommer, der die Menschen zu seltsamem Verhalten treibt…

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Gabor Steingart: Das Ende der Normalität

Einen „Nachruf auf unser Leben, wie es bisher war“ hat der Publizist Steingart (Jahrgang 1962, früher „Spiegel“- Korrespondent, seit 2010 Chefredakteur beim „Handelsblatt“) verfasst.

Steingart zufolge werden die „Magnete“, die unser Leben früher bestimmten, schwächer. Die Anziehungskraft von Kirche, Staat, Firma lässt nach. Dabei ist das Individuum nicht das Opfer, sondern der Quell der Veränderungen: „Wir hören mutwillig auf zu glauben, weil wir meinen zu wissen. Wir sind nicht mehr erstaunt über unser Dasein. Der Familie haben wir die Treue aufgekündigt, weil wir sie auch als Begrenzung erlebt haben. Der Firma sind wir nur so lange verbunden, bis der nächstbeste Personalberater anruft.“*

Nach Steingarts Analyse sind alte Werte langsam zerfallen, ohne dass sich gesamtgesellschaftlich neue Werte etabliert haben – die Gesellschaft besteht in Zukunft aus Fragmenten. Und Deutschland steuert auf eine demographische Katastrophe zu…

Fazit: Die Zeiten ändern sich. (Das merkt man aber auch, ohne dieses Buch gelesen zu haben…)

* Oder  – wie einige Redakteure des „Handelsblatt“ feststellen mussten – bis der neue Chef sie vor die Tür setzt.

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