Nina George: Das Lavendelzimmer

George_LavendelzimmerWenn ich mal kurz fies sein darf: Nina George ist wohl als Kind in den Kessel mit dem Romantiktrank gefallen…

Wie die meisten Menschen habe auch ich funktionierende Kitsch-Rezeptoren, die ab und zu zum Einsatz kommen und für durchnässte Taschentücher sorgen (Ich sage nur: „Die Brücken am Fluss“/ „Die Farbe Lila“). Aber beim „Lavendelzimmer“ war es einfach zuviel des Guten. Soviel „große Gefühle“ sind fast wie ein Zuckerschock. (Hm, vielleicht war es auch ein Zuckerschock. Ich glaube, ich habe unmäßig viel Süßes gegessen in den letzten Tagen…)

Jedenfalls: Die Idee, einen Buchhändler zum Helden eines Romans zu machen, ist schon mal nicht verkehrt. Man bekommt als Leserin große Lust, sich auf das Bücherschiff in Paris zu begeben, in die „Literarische Apotheke“ von Jean Perdu. Wirklich nett soweit!

Monsieur Perdu ist tragischerweise zwanzig Jahre zuvor von seiner großen Liebe verlassen worden, ohne Erklärung seitens der Dame. Dieses Geheimnis wird am Anfang des Romans gelüftet, eine neue Frau taucht auf, Perdu lernt wieder zu lieben, findet einen „Adoptivsohn“, eine geheimnisvolle Autorin, neue Freunde und ein neues Leben im Süden Frankreichs. Versöhnung und Vergebung mit inbegriffen.

Von aufopfernder Mutterliebe bis tiefempfundener Männerfreundschaft ist alles dabei – ein wahrer Gefühls-Overkill. Zu empfehlen für absolute Romantiker oder völlig eiskalte Typen. Nebenwirkungen bei Durchschnittslesern: Erhöhte Insulin-Ausschüttung, Zynismus-Anfälle.

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Catrin Barnsteiner: Fräulein Schläpples fabelhafte Steuererklärung

Barnsteiner_SteuerIch gebe zu, mit der sogenannten „chick lit“ (laut Wikipedia wörtlich etwa „Tussi-Literatur“, sinngemäß „anspruchslose Frauenliteratur“) stehe ich ein wenig auf Kriegsfuß. Was nicht weiter schlimm ist, in meinem fortgeschrittenen Alter gehöre ich sowieso nicht mehr zur Zielgruppe derselben. Manchmal befällt mich jedoch der Wahn, im Urlaub eine „klassische Urlaubslektüre“ lesen zu wollen, sprich: einen humorvollen, aber eher gehaltlosen Roman, der mich gut unterhält und mich zum Lachen (oder wenigstens zum Schmunzeln) bringt.

Im diesjährigen Urlaub hatte ich beklagenswerterweise zu wenig Literatur dabei. Konnte ja nicht damit rechnen, am zweiten Tag meine Mobilität für einen nicht unerheblichen Zeitraum einzubüßen. Also musste ich die vorhandenen Bücher durchlesen – ansonsten wäre „Fräulein Schläpple“ nach zwanzig Seiten schon in die Ecke geflogen. Gut, der Titel hätte mich schon abschrecken sollen. Wenn eine Autorin ernsthaft eine erwachsene Titelheldin als „Fräulein“ bezeichnet, kann doch bei beiden was nicht stimmen…

Um den Inhalt kurz zusammenzufassen: Der angepasste Finanzbeamte Fred Eisenbogen (wie kommen Autoren immer auf solche Namen?) verliebt sich in die „liebenswert-chaotische“ Gärtnerin Sandra Schläpple. Die ist aber zunächst noch mit einem ehrgeizigen Architekturstudenten zusammen, aber das ändert sich bald. Liebeshindernis: Sandras Familie besteht aus Steuerhinterziehern, deren kriminelle Energie aber Robin-Hood-mäßig daherkommt. Fred muss Sandras Betrieb prüfen und am Ende werden – oh Wunder! – beide ein Paar. Bis es soweit war, habe ich mich ungefähr so sehr amüsiert wie bei einer Steuererklärung.

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Joël Dicker: Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert

Dicker_FallAuf jeden Fall eine der interessanteren Neuheiten im Sommer 2013! Die Geschichte eines jungen Schriftstellers wird verwoben mit einem lang zurückliegenden Mordfall, der nie aufgeklärt wurde.

Marcus Goldman ist mit seinem ersten Roman zum Shooting Star der amerikanischen Literaturszene geworden – doch nachdem er seinen Ruhm weidlich ausgekostet hat, stellt er fest, dass er keine Ideen mehr hat. Sein Verleger setzt ihm zu, und so flüchtet Goldman zu seinem väterlichen Freund Harry Quebert, seinem früheren Dozenten, der selbst ein erfolgreicher Autor ist.

Als auf Queberts Grundstück die Leiche der 15-jährigen Nora gefunden wird, mit der er drei Jahrzehnte zuvor ein Verhältnis hatte, wird ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt…

Joël Dicker entfaltet die Geschichte elegant und sorgfältig, mit tiefem Einblick in die Seele eines einsamen Mannes. Schön und spannend!

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Jane Austen: Mansfield Park

Ich habe nach wie vor keine Ahnung, was ich in den nächsten Wochen lesen soll. In Ermangelung interessanter Leseexemplare habe ich nach gut zwanzig Jahren diesen Austen-Roman nochmals aus dem Regal geholt.

Leider ist Fanny Price immer noch eine schrecklich langweilige Figur, überhaupt nicht zu vergleichen mit Elizabeth Bennett oder den Schwestern Dashwood…

Nach diesem überaus spannungslosen Roman brauche ich dringend einen guten Krimi!

(Vorschläge über die Kommentar-Funktion werden gern entgegengenommen!)

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Arturo Perez-Reverte: Dreimal im Leben

Perez_DreimalHurra – endlich ein neues Buch des Spaniers! Für mich einer der besten Unterhaltungsautoren. Ich mochte „Das Geheimnis der schwarzen Dame“ sehr – und „Der Club Dumas“ habe ich sogar zweimal gelesen!

Sein neues Buch ist allerdings weniger spannend oder mysteriös, es hat eher einen melancholischen Grundton. Es geht um den ehemaligen Salontänzer und „Gentleman-Dieb“ Max Costa, der mit Mitte sechzig die große Liebe seines Lebens wiedertrifft, nach nahezu dreißig Jahren. Mecha ist mittlerweile Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Der Herzensbrecher Max erinnert sich: An eine Welt voller Eleganz, an seine eigene Jugend und an die Begegnungen mit Mecha, der eigenwilligen und rätselhaften Frau des Komponisten Armando, mit der er den Tango seines Lebens tanzte…

Wunderbarer Edelkitsch, genau richtig für laue Sommerabende!

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Der Kunde, das unbekannte Wesen

Da war er wieder. So ein- bis zweimal im Jahr taucht Herr *** in der Buchhandlung auf, um Bücher für Frau oder Kind abzuholen. Und niemals, wirklich nie versäumt er zu erwähnen, dass er niemals Bücher lese (Ausnahme: „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche).

Und die Buchhändlerin fragt sich, warum dieser Umstand jedesmal so deutlich zur Sprache gebracht werden muss. Eine Art Provokation? Aber selbst sehr naive und weltfremde Buchhändlerinnen wissen, dass es in der Welt reichlich Menschen gibt, die Büchern nichts abgewinnen können. Eine Laune der Natur, aber kein Skandal.

Oder ist es ein sehr subtiler Hilferuf? Möchte er ein gutes Buch empfohlen bekommen? Steckt in seinem Unterbewusstsein ein Leser, der an die Oberfläche kommen möchte? Wahrscheinlich werden wir es nie erfahren…

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Cathleen Schine: Der Liebesbrief

Dieses Buch ist schon Mitte der neunziger Jahre erschienen und steht seitdem in meinem Regal. Ich konnte mich daran erinnern, dass ich es damals sehr gern gelesen habe, und als ich am letzten brütend heißen Wochenende seltsamerweise nichts mehr zu lesen hatte, war Zeit für eine zweite Begegnung… und es war einfach schön!

(Natürlich habe ich ein schlechtes Gewissen den Neuerscheinungen gegenüber, aber manchmal muss man sich auch den Luxus gönnen, ein schon bekanntes Buch nochmals zur Hand zu nehmen.)

Die bezaubernde Hauptfigur des Buches ist Helen, eine Buchhändlerin jenseits der Vierzig, die in ihrer Post einen anonymen Liebesbrief findet. Der Brief fasziniert und irritiert sie. Hat ein Kunde ihn geschrieben? Ein Freund? Ihre Kollegin gar? Während Helen alle Männer in ihrer Umgebung sorgfältig beobachtet (und über das Verliebtsein nachdenkt) fällt ihr Auge auch auf Johnny, ihren jungen Angestellten…

Eine ganz wundervolle Sommerkomödie, heiter und geistreich. Und ein Besuch in jener gar nicht so fernen Zeit, in der Buchhandlungen noch ohne Computer auskamen, ohne Internethandel und E-Books. In Helens Buchhandlung stehen Lyrik und Biographien, Klassiker und Militärgeschichte – sehr exzentrisch aus heutiger Sicht!

P.S.: Ich habe diesem wundervollen Roman natürlich in die Kategorie „Sofort kaufen und lesen!“ eingeordnet. Aber leider ist es vergriffen und wird nicht mehr aufgelegt. Daher mein persönliches Angebot an meine Leserinnen: Ihr könnt mir über die Kommentarfunktion dieses Lesetagebuchs eine Anfrage schicken, denn ich bin womöglich bereit, das Buch an vertrauenswürdige Personen zu verleihen.

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Der Brüller der Woche

Gerade eben auf der Rückseite des Buches „Schantall, tu mal die Omma winken“ gelesen: „Eine lustige Satire über die Geschmacksverarmung in Deutschland!“ BILD

(Der Schreiber dieser Bemerkung lebt offensichtlich in dem Wahn, die Zeitung mit den großen Buchstaben und den unbekleideten Frauen auf der ersten Seite sei irgendwie nicht Teil dieser „Geschmacksverarmung“. Schon lustig!)

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Alain de Botton: Religion für Atheisten

Botton_ReligionZwar sieht Alain de Botton nicht so gut aus wie Richard David Precht, hat aber meiner Meinung nach originellere Denkansätze und schreibt auch besser.  (Soviel zum Thema „Wie Frauen Philosophen beurteilen“;-) )

Als Sprössling einer streng antireligiösen Familie wurde de Botton stets angehalten, sich von allem fernzuhalten, was nach Spiritualität oder Übersinnlichem roch. Dennoch hat er sich als junger Mann dem Zauber von Bellinis Madonnen, ehrfurchtgebietenden Kathedralen oder auch manch weiser Einsicht aus heiligen Schriften nicht entziehen können.  Für ihn steht fest: Religionen sprechen Menschen auf eine Weise an, wie es die meisten philosophischen Theorien nicht können.

Das führt zu der Frage: Was können säkuläre Gesellschaften von Religionen lernen, welche Riten sollten sie sich aneignen (natürlich ohne den „übersinnlichen“ Überbau)? Wesentliche Erkenntnisse zu Themen wie Bildung, Lebensführung und Ethik sollten nach De Botton nicht den Religionen überlassen werden. Ein großer Schatz an kulturellen Werken steht der Menschheit zur Verfügung – warum nicht Montaigne oder Tolstoi lesen statt Koran oder Bibel!

Mit diesen und vielen anderen Ideen überrascht (und entzückt) de Botton seine LeserInnen. Manches mutet skurril an – jedoch hätte ich liebend gern zum Beispiel Literaturseminare besucht, in denen im Stil baptistischer Gottesdienste Hölderlin-Gedichten gehuldigt wird…

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P.D.James: Der Tod kommt nach Pemberley

James_TodEtliche Male bin ich an diesem Buch vorbei gelaufen, ohne mir etwas dabei zu denken. Aber irgendwann hat es dann doch „Klick“ gemacht – „Pemberley“ ist doch der allseits bekannte Landsitz von Mr. Darcy! Jane-Austen-Leserinnen wissen, worum es geht (und alle anderen verlieren jetzt bestimmt schlagartig das Interesse).

Tatsächlich, die große alte Dame der englischen Kriminalliteratur hat Elizabeth (geb. Bennett) und Fitzwilliam Darcy zu Hauptfiguren ihres neuen Buches gemacht: Nach sechs Jahren glücklicher Ehe werden die Darcys von einem furchtbaren Unglück heimgesucht. Auf ihrem Landsitz wird ein junger Offizier ermordet – und der Hauptverdächtige ist kein anderer als George Wickham, der Gatte von Elizabeths Schwester Lydia…

Wenn man sich zu sehr auf ein Buch freut, wird man manchmal enttäuscht. So erging es mir mit diesem Beinahe-Krimi. Zwar tauchen viele Jane-Austen-Figuren auf, aber sie bleiben recht blass. Und besonders viel Spannung kommt auch nicht auf…

Eine nette Idee, aber die Ausführung hat mich nicht überzeugt.

 

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