Pierre Lemaitre: Die Farben des Feuers

Natürlich zeugt es von wahrer menschlicher Größe, wenn man seinen Feinden vergibt. Aber wer liest nicht trotzdem gern eine Geschichte, in der Intrigen und Verrat mit einem Rachefeldzug geahndet werden?
Nicht erst seit “Der Graf von Montechristo” wissen Leser es zu schätzen, wenn ein zugrunde gerichtetes Opfer sich nach und nach die Personen vorknöpft, die es in den Ruin getrieben haben.
Wenn die Geschichte dann auch noch so wunderbar elegant und ironisch erzählt wird wie hier, ist das Buch ein wahres Lesevergnügen!

Zum Inhalt: Madeleine Péricourts Vater, ein berühmter Bankier, verstirbt plötzlich im Jahr 1927 und macht damit seine Tochter zur Alleinerbin. Die junge Frau ist geschieden, hat einen kleinen Sohn und wenig Erfahrung im Bankengeschäft – so wird sie von den eigenen Verwandten und ihren Angestellten ausgenommen. In der Wirtschaftskrise von 1929 verliert sie ihr gesamtes Vermögen.
Doch Madeleine ist bei weitem nicht so hilflos und naiv, wie es scheint. Und langsam beginnt sich das Blatt wieder zu wenden…

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Mathijs Deen: Unter den Menschen

Jan lebt auf einem Bauernhof an der niederländischen Küste. Seine Eltern kamen bei einem Unfall ums Leben, seither ist er allein. Die Einsamkeit macht ihm zu schaffen, also gibt er eine Anzeige auf: “Bauernsohn sucht Frau. Wohnt allein. 80 ha.”

Daraus entwickelt sich eine ganz eigenwillige Liebesgeschichte, die so gar nichts mit “Bauer sucht Frau” zu tun hat. Auf Jans Anzeige meldet sich nämlich Wil. Sie sucht gar keinen Partner, sondern ein Haus mit Meerblick und ist bereit, Jan dafür in Kauf zu nehmen.
Es läuft von Anfang an nicht gut mit den beiden: Jan schweigt, Wil ist übergriffig. Wird aus zwei inkompatiblen Außenseitern doch noch so etwas wie ein Paar?
Ich fand das Buch ein wenig spröde und die Hauptfiguren zuweilen irritierend, aber es hat mich nach und nach doch gefesselt.

 

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Dörte Hansen: Mittagsstunde

Eine wunderbare Lektüre für ein Wochenende in Ostfriesland! (Leider war der Himmel dort genau wie am Anfang des Buches beschrieben: schwer und grau. Aus dunklen, tiefhängenden Wolken regnete es unablässig…)
Obwohl das Buch eine eher melancholische Grundstimmung hat, machte das Lesen viel Freude!
Ich hatte viel Spaß an den plattdeutschen Dialogen, dem unvermutet aufblitzenden feinen Humor der Autorin und den liebevoll gezeichneten Figuren.
Wer jemals auf dem Dorf gelebt hat, sollte dieses Buch lesen. Und alle anderen natürlich auch!

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Eine Herausforderung!

Neulich wurde ich von einer (facebook-)Freundin aufgefordert, an einer “Challenge” teilzunehmen.
Die Aufgabe war, sieben Tage lang jeweils das Bild eines Buches auf facebook zu posten. Einfach so, ohne Erläuterungen oder Kommentare.
Der Reiz liegt natürlich in der individuellen Bücher-Auswahl der Mitmachenden.

Mit welchen sieben Titeln möchte man sich der facebook-Gemeinde präsentieren?
Ich habe mich für folgende entschieden:

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Aidan Truhen: Fuck You Very Much

Ich sehe Sie quasi mit dem Kopf schütteln und sich fragen, was die Buchhändlerin für einen Schund liest. Zu meiner Ehrenrettung: Dieser Titel ist in einem namenhaften Literaturverlag erschienen, nämlich bei Suhrkamp.

Und es ist ein richtig guter, sehr schräger, sehr schwarzer Krimi!
Die Handlung ist weder neu noch originell: Der Protagonist, Drogendealer (seitdem er die Lust am Kaffeegeschäft verloren hat), verärgert einen anderen Gangster, man setzt einen Killertrupp auf ihn an, er muss schneller sein als die bezahlten Mörder.
So weit, so üblich… ABER! Aidan Truhen (ein Pseudonym, der Autor ist nicht bekannt) hat einen so außergewöhnlichen Stil, sein Protagonist Jack Price reißt einen mit seiner fiebrigen Geschwätzigkeit so mit, dass einem beim Lesen fast schwindlig wird.
Wortwitz, schräge Mordmethoden und philosophische Betrachtungen: Mit Sicherheit kein Krimi für Brunetti-Fans. Dafür setzt Truhen neue Maßstäbe in Sachen Coolness.

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Peter Stamm: Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt

“Und am Ende seines Romans sind Autor und Protagonist, Schreiber und Geschriebenes nicht mehr voneinander zu unterscheiden. Ein betörend verwirrendes Buch.”

Soweit die Rezensentin Hannah Schmidt in “Zeit online”

Ich fand das Buch sehr wohl verwirrend, das Betörende ist mir entgangen.
Natürlich hat Peter Stamm einen exzellenten Stil, aber die Handlung war für mich nicht nachvollziehbar und die Figuren haben mich in keiner Weise interessiert. Gut, dass es so ein schmales Bändchen ist.
In der Bewertung vergebe ich trotzdem ein “durchaus lesenswert”, denn “Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es klingt hohl, ist das allemal im Buch?” (G.C.Lichtenberg)

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Emily Ruskovich: Idaho

Ein intensives, teilweise beklemmendes Buch!
Am Anfang steht ein unbegreifliches Verbrechen. Jenny, Mutter von zwei Töchtern, bringt an einem Sommertag eines ihrer Kinder um, das andere verschwindet im Wald und wird nie gefunden.
Niemand kann sich diese schreckliche Tat erklären – auch nicht ihr Ehemann Wade.
Jahre später ist Wade in zweiter Ehe verheiratet. Wie auch sein Vater, leidet er schon in seinen Fünfzigern unter einer beginnenden Demenz. Seine Frau Ann ist hin- und hergerissen: Ist das Vergessen für Wade nicht auch ein Geschenk? Kann er glücklicher sein, wenn er nicht mehr weiß, das er einst zwei Kinder verloren hat?
Kein Buch für Menschen, die klare Antworten brauchen. Vieles in diesem Roman bleibt unerklärlich, nicht zuletzt Jenny Tat.
Trotzdem zieht einen dieser Roman unweigerlich in seinen Bann. Ruskovich erreicht eine schon fast erschreckende Intensität in der Schilderung von Natur und Menschen.
So etwas liest man nicht alle Tage!

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Romy Fölck: Totenweg

Als die junge Polizistin Frida Paulsen hört, dass ihr Vater überfallen wurde, kehrt sie sofort auf den elterlichen Hof in den Elbmarschen zurück.
Dort herrscht Unruhe: War der Überfall auf den alten Paulsen ein Mordversuch?
Der ermittelnde Beamte, Kommissar Haverkorn, hat ein besonderes Interesse nicht nur an diesem Fall, sondern auch an Frida. Denn die junge Frau war fast zwanzig Jahre zuvor in einen Mordfall verwickelt: Sie fand die Leiche ihrer Freundin.
Haverkorn war damals überzeugt, dass seine junge Zeugin ihm etwas verschwieg. Wieder verbeißt er sich in den alten Fall und löst damit neue Gefahren aus.
Ein spannender, atmosphärischer und grundsolider Krimi – man darf auf den nächsten Fall für Haverkorn und Paulsen gespannt sein!

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Minette Walters: Die letzte Stunde

Ein neues Buch von Minette Walters, vor vielen Jahren eine meiner liebsten Krimi-Autorinnen (“Die Schandmaske”, “Im Eishaus”).

Walters legt diesmal einen historischen Roman vor, in dem allerdings auch ein Mord aufzuklären ist. Die Handlung spielt in Südengland im 14. Jahrhundert, während eines Pestausbruchs.

Von der Küste her zieht die Seuche über das Land, allein das kleine Anwesen Develish wird verschont. Denn hier sorgt die Herrin Lady Anne in Abwesenheit ihres Gatten dafür, dass die Zugbrücke hochgezogen bleibt und kein Fremder die Burg betritt. Schon bald begreifen sich die Bewohner als Schicksalsgemeinschaft – auch wenn manche Lady Anne grollen, da sie Hierachien aufweicht und einen Mann niederer Geburt zum Verwalter macht.
Als dann ein junger Mann ermordet aufgefunden, droht die Gemeinschaft zu zerbrechen…
Ein toller historischer Krimi, spannend und unterhaltsam!

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Camilla Läckberg: Die Eishexe

Da es in diesem Jahr mit dem Urlaub in Bohuslän nichts wird, habe ich zum Trost wenigstens den neuen Fjällbacka-Krimi gelesen.

Wie immer ermittelt neben Kommissar Patrick Hedström und seinen Kollegen auch Patricks Ehefrau Erika Falck.
Diesmal geht der Fall dem erfahrenen Polizisten und engagierten Vater unter die Haut: ein kleines Mädchen wird vermisst.
Dreißig Jahre zuvor verschwand vom selben Bauernhof schon einmal ein Kind, das später tot aufgefunden wurde.
Für die Polizei und die verzweifelten Eltern zählt jede Stunde, doch die Suche bleibt lange erfolglos…
Natürlich darf man bei einem Krimi nicht zuviel verraten. Generell kann man Camilla Läckbergs Bücher gut lesen. Sie sind ordentlich konstruiert, locker geschrieben und haben mit dem Schriftstellerin/Polizisten-Ehepaar Patrick und Erika ein äußerst sympathisches Ermittler-Duo.

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