Alexander Oetker: Retour

Ja, Frankreich-Krimis gibt es mittlerweile wie Austern am Meer…
Dennoch habe ich diesen hier gelesen, schon allein weil der Autor sich nicht hinter einem französisch klingenden Pseudonym versteckt, wie es deutsche SchriftstellerInnen bei solchen Gelegenheiten gern tun. (Ich glaube ja, Franzosen schreiben selbst gar keine  Krimis. Das tun nur die frankophilen Deutschen. Oder Schotten – siehe Martin Walker…)

Naja, jedenfalls ist Alexander Oetker erstens Journalist (kann also schreiben) und hat zweitens lange in Frankreich gelebt und gearbeitet (weiß also, worüber er schreibt). Das merkt man dem Buch deutlich an.

Der ermittelnde Kommissar, Luc Verlain, ist ein Sympathieträger. Natürlich liebt er gutes Essen und schöne Frauen. Gerade eben hat er sich von Paris an die Atlantikküste versetzen lassen, um bei seinem Vater zu sein, der ins Pflegeheim ziehen musste.
Verlain fürchtet, sich fern der Hauptstadt langweilen zu müssen, doch schon an seinem ersten Tag wird ein ermordetes junges Mädchen am Strand gefunden. Und dann ist da noch seine reizende neue Kollegin Anouk…

Nette Urlaubslektüre für den nächsten Frankreich-Trip…

 

Veröffentlicht unter Durchaus lesenswert, Krimi | Hinterlasse einen Kommentar

Barbara J. Zitwer: Als das Meer uns gehörte

Wenn ein Buchcover blau ist und das Wort „Meer“ im Titel vorkommt, hat es sofort meine Aufmerksamkeit.
In diesem Fall hätte ich meine Lesezeit allerdings besser nutzen können – leider hatte ich an jenem Wochenende aber kein anderes Buch zur Hand…

Die Handlung in Kurzform: Erfolgreiche Schuh-Designerin (das hätte mir schon eine Warnung sein sollen!) hat Mann und nahezu gehörloses Kind, aber Mann wird bei einem Überfall erschossen. Kind gibt Mutter dafür die Schuld, weil sie Karrierefrau. Frau flieht mit Kind zu ihrem Onkel ans Meer, baut dessen schlecht laufende Pension um. Walforscher taucht auf, Kind ist happy, findet Gefallen an Walen. Mutter ständig schlechtes Gewissen. Walforscher hat ein tragisches Geheimnis.

Jaha, es gibt viel kitschigere Bücher. (Aber die muss man dann erst recht nicht lesen!)

Veröffentlicht unter Belletristik, So lala... | Hinterlasse einen Kommentar

David Foenkinos: Das geheime Leben des Monsieur Pick

Nach einem kurzen Ausflug in die eher ernste Literatur („Charlotte“, über die Künstlerin Charlotte Salomon) knüpft Foenkinos mit seinem neuen Roman wieder an Wohlfühl-Geschichten à la „Natalie küsst“ an.
Gleich mehrere Paare finden oder trennen sich, nachdem ein geheimnisvolles Manuskript für Wirbel gesorgt hat.
Hat der verstorbene Pizzabäcker Henri Pick wirklich einen wunderschönen Roman in der „Bibliothek für abgelehnte Manuskripte“ hinterlassen? Dank der jungen Lektorin Delphine wird das Buch ein Riesenerfolg und die Medien stürzen sich auf Picks Witwe und seine Tochter. Doch ein ehemals bekannter Literaturkritiker hat Zweifel und beginnt zu recherchieren…

Foenkinos erzählt launig – auch über die französische Buchbranche, bekannte Verlage und Schriftstellerkollegen (wie Beigbeder oder Houellebecq) werden erwähnt.

Ja. Naja. Nett, wenn man es mag! Für Fans von Nina George oder Nicolas Barreau.

Veröffentlicht unter Belletristik, So lala... | Hinterlasse einen Kommentar

Rosamund Lupton: Lautlose Nacht

Ein etwas anderer Krimi: Yasmin Alfredson reist mit ihrer gehörlosen Tochter Ruby mitten im Winter nach Alaska, um ihren Mann zu besuchen, der als Tierfilmer unterwegs ist.
Am Flughafen in Fairbanks wartet jedoch nicht Matt, sondern die Polizei: Alle Einwohner des Dorfes Anaktue seien bei einem Brand ums Leben gekommen. Man habe die Leichen der 23 Einwohner und einen weiteren Toten gefunden, alle bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.
Yasmin und Ruby wollen nicht glauben, dass Matt tot ist. In einem Vierzigtonner machen sie sich auf dem Weg zum Polarkreis – doch sie stellen schnell fest, dass sie nicht allein in der arktischen Nacht unterwegs sind. Ein Schneesturm zieht auf und es gelingt ihnen nicht, ihren Verfolger abzuschütteln…

Besonders eindrucksvoll schildert Lupton die raue Natur Alaskas. Am Anfang hat mich die wechselnde Erzählweise etwas irritiert. Es gibt immer wieder Passagen, die in Ich-Form aus Rubys Perspektive geschrieben sind. Sie bieten allerdings einen interessanten Einblick in die lautlose Welt der Zehnjährigen.

Veröffentlicht unter Durchaus lesenswert, Krimi | Hinterlasse einen Kommentar

Luiza Sauma: Luana

Nach dreißig Jahren bekommt André Post von seiner Jugendliebe Luana. Er lebt als Arzt in London, seine Ehe ist gescheitert, seine zwei Töchter erwachsen. Eigentlich bleibt ihm nur sein Beruf – und die Rückschau auf seine Kindheit und Jugend in Brasilien.

Nach dem Unfalltod seiner Mutter hatte André als Jugendlicher eine Liebesbeziehung zu Luana geknüpft, der Tochter der Hausangestellten Rita. Die beiden verheimlichen ihre Beziehung, denn auch 1985 sind die Standesunterschiede einfach zu groß.  „Embregadas“, so die Bezeichnung für das im Haus lebende Personal, sind aus Sicht seiner Familie und Freunde einfach keine gleichwertigen Menschen. Und so endet trotz leidenschaftlicher Verliebtheit die Beziehung schon nach einigen Monaten auf eine dramatische Weise und André verlässt fluchtartig das Land…

Die Liebesgeschichte hat mich nicht umgehauen, aber als Einblick in das soziale Gefüge in Brasilien fand ich das Buch sehr interessant.

Veröffentlicht unter Belletristik, Durchaus lesenswert | Hinterlasse einen Kommentar

Vladimir Jabotinsky: Die Fünf

Jabotinsky, 1880 in Odessa geboren, schrieb diesen Roman bereits in den 1930er Jahren. Doch erst 2013 ist diese erste deutsche Übersetzung in der „Anderen Bibliothek“ herausgegeben worden.

Der Roman ist eine Ode an die einzigartige Schwarzmeer-Stadt, die in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ein Schmelztiegel war.
Das ukrainische und das russische, das jüdische und das deutsche, das armenische und das griechische Leben fanden Platz im weltoffenen Odessa.
Im Mittelpunkt des Romans steht die Familie Milgrom mit ihren fünf Kindern, mit denen der Ich-Erzähler befreundet ist. So wird er Zeuge der grausamen Schicksalsschläge, die die Milgroms treffen.

Elegant erzählt, wechselt die Geschichte nach einem heiteren Beginn allmählich den Ton.  In die liberale Gesellschaft mischen sich immer mehr nationalistische und antisemitische Strömungen. So wird der Erzähler Chronist einer untergehenden Epoche und einer zerbrechenden Familie.

Veröffentlicht unter Belletristik, Durchaus lesenswert | Hinterlasse einen Kommentar

Takis Würger: Der Club…

…oder: Wenn schöne Menschen* schöne Bücher schreiben

Ja, es lohnt sich, den „kleinen“ Schweizer Verlag Kein & Aber im Auge zu behalten, denn er hat einfach tolle Bücher im Programm!
Für mich das Highlight im Frühjahrsprogramm 2017:
Der Debütroman des jungen „Spiegel“-Reporters Takis Würger.
Das Buch führt in die Welt der Bildungs-„Elite“, nach Cambridge. Hierher verschlägt es den stillen, unbeholfenen Hans, der seine Eltern in jungen Jahren auf tragische Weise verloren hat.
Den Weg ebnet seine Tante Alex Birk, die als Dozentin für Kunstgeschichte in der Universitätsstadt lebt. Beider Verhältnis ist schwierig, denn Hans hatte einst gehofft, bei Alex leben zu können, wurde aber in ein Internat geschickt.
Und auch jetzt will seine Verwandte ihn nicht aus Gründen der Familienzusammenführung bei sich haben. Sie hat einen Auftrag für ihren Neffen, der für ihn zu einer großen Belastung wird.
Hans soll sich dem Boxteam anschließen und so Mitglied einer geheimnisvollen Gruppe von männlichen Studenten werden, die Verbrechen begehen und offiziell nicht zur Rechenschaft gezogen werden können.
Zur Seite steht ihm dabei die Doktorandin Charlotte, die ihre eigenen Beweggründe hat, Hans zu unterstützen. Im Boxteam findet Hans zum ersten Mal in seinem Leben richtige Freunde. Freunde, die er bespitzeln soll…

Takis Würger erzählt die Geschichte aus wechselnden Perspektiven, dabei treten nicht nur die Hauptfiguren als Erzähler auf, sondern auch Nebenfiguren. Manches wirkt vielleicht etwas plakativ, aber das Buch ist einfach spannend erzählt und der Blick in die Welt der Elite-Uni sehr interessant.

Hier kann man den Autor sehen 😉

Veröffentlicht unter Belletristik, Durchaus lesenswert | Hinterlasse einen Kommentar

Off topic: Echt jetzt, AfD?!?

Dass das Menschenbild der Afd „besonders“ist, hat inzwischen jeder mitbekommen. Aktuell sorgt man sich bei dem alternativen Karnevalsverein darum, dass ein Mensch ohne Abitur, ein gelernter Buchhändler, Bundeskanzler werden könnte.
Den Kommentaren im „Buchhandelstreff“ auf facebook zufolge bekommen viele Kolleginnen und Kollegen deutschlandweit  gerade Bluthochdruck. Und das zu Recht.

Liebe besorgte Alternativisten, jetzt mal eine ganz schlimme Vision: Es gibt im Buchhandel auch schlaue, belesene und politisch engagierte Frauen. Mit und ohne Abitur. Vielleicht wird ja mal eine davon Kanzlerkandidatin…

Wie Herausgeber Stefan Bollmann es so schön in Buchform gefasst hat:

Und weil Lesen oft hilft, kauft euch gefälligst alle „Gegen den Hass“ von Carolin Emcke und meldet euch öffentlich erst wieder, wenn ihr es durchgearbeitet habt!

Buchhändlerische Grüße

Regina Schwan

PS: Eure Abiturzeugnisse werden wegen erwiesener Beklopptheit für nichtig erklärt!

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Alan Bradley: Eine Leiche wirbelt Staub auf

Der siebte Band der „Flavia de Luce“-Reihe – wieder ein nettes Lesevergnügen! Die mittlerweile 12jährige geniale Chemikerin und Hobby-Detektivin Flavia wird „verbannt“. Sie muss den geliebten Landsitz Buckshaw verlassen, um in Kanada das Mädcheninternat zu besuchen, in dem schon ihre Mutter Harriet Schülerin war.

Flavia ist erbost darüber, England verlassen zu müssen. Doch als an ihrem ersten Abend im neuen Zuhause eine verkohlte Leiche ohne Kopf aus dem Kamin fällt, freundet sie sich mit dem Aufenthalt in „Miss Bodycote’s Female Academy“ doch an.
Sofort nimmt sie die Ermittlungen auf…

Alan Bradley unterhält weiterhin mit einer sympathischen Heldin und britischem Humor. (Eigentlich habe ich für ältere Titel angesichts der Flut von neuen Leseexemplaren gar keine Zeit, aber das musste zwischendurch einfach sein!)
Wer einsteigen möchte in die Reihe: Unbedingt mit „Mord im Gurkenbeet“ beginnen und die Reihenfolge einhalten!

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Sarah Hall: Bei den Wölfen

„In Sarah Halls außergewöhnlichem Roman verbinden sich eine lyrische und zugleich kraftvolle Sprache, starke und ungewöhnliche Bilder, vielschichtig-kantige Figuren sowie ein attraktives Thema zu einem Leseerlebnis der Extraklasse.“ – Soweit der Verlag über das Buch. Das fand ich ansprechend. Und den Wolf auf dem Cover sowieso.
Allerdings ist mir die vielschichtig-kantige Hauptfigur meist unheimlich auf die Nerven gegangen. Außerdem ging es letztendlich zu meiner Enttäuschung weniger um Wölfe als um Beziehungsgeschichten und ums Kinderkriegen. Naja.

Zum Inhalt: Rachel Caine hat ihrer Heimat England den Rücken gekehrt, um von ihrer schwierigen Familie weg zu kommen. Doch dann kehrt sie nach dem Tod ihrer Mutter zurück, weil sie die einmalige Chance hat, die Einwilderung eines Wolfspaares in England zu begleiten. Ihr Arbeitgeber ist ein schwerreicher Adeliger, der Land und Geld zur Verfügung stellt. Aber das Projekt wird von Protesten begleitet. Außerdem stellt Rachel fest, dass sie von einem Kollegen, mit dem sie in den USA zusammengearbeitet hat, schwanger ist. Sie freundet sich mit dem Tierarzt des Projekts an, er wird ihr neuer Liebhaber. Ihre Schwangerschaft schreitet fort und sie bekommt ein Kind. Ach ja, ein bisschen Konflikt gibt es noch, als die Wölfe ausbrechen.
Kein wirklich schlimmes Buch, aber auch nicht das, was ich erwartet hatte…

Veröffentlicht unter Belletristik, So lala... | Hinterlasse einen Kommentar