Milena Busquets: Auch das wird vergehen

Busquets_AuchEin trauriger, aber wunderschöner Roman!
Die Erzählerin, Blanca, fährt in das Fischerdorf Cadaqués an der Costa Brava, auf den Sommersitz ihrer Familie am Meer.
Gerade ist Blanca vierzig geworden, gerade hat sie ihre Mutter beerdigt.
Während sich Freundinnen, Ex-Ehemänner und Kinder im Ferienhaus einfinden, versucht Blanca zu begreifen, was es heißt, von nun an ohne Mutter zu leben.
So wechseln sich heitere Gespräche mit den Freundinnen, sommerliche Idylle und Ferienstimmung mit tiefer Traurigkeit in Blancas Zeit in Cadaqués ab…

Milena Busquets schrieb den Roman nach dem Tad ihrer Mutter, der bekannten spanischen Verlegerin und Schriftstellerin Esther Tusquets. Es ist daher wohl anzunehmen, dass die Hauptfigur Blanca einige Empfindungen der Autorin selbst widerspiegelt. Besonders die letzten Seiten, die sich wie ein Abschiedsbrief an die Mutter lesen, haben mich sehr bewegt. Ein tolles, ergreifendes (aber überhaupt nicht kitschiges) Buch für alle Mütter und Töchter!

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Johannes Ehrmann: Großer Bruder Zorn

Lehmann_ZornDer Debütroman des jungen Journalisten Johannes Ehrmann führt uns nach Berlin Wedding, in einen Kiez voller Menschen, die es im Leben nicht einfach haben: Jessi arbeitet bei Netto und versucht, ihrer Tochter eine einigermaßen behütete Kindheit zu verschaffen. Sie hat furchtbare Angst vor ihrem Exmann, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde.
Boxpromotor Aris steht das Wasser bis zum Hals, er hat bei den falschen Leuten Schulden. Ein großer Kampf muss her, doch alles geht schief.
Serdar Schröder arbeitet nachts in einem Kiosk und träumt von einer Boxkarriere. Jede dieser Figuren gehört nach allgemeinen Maßstäben zu den Verlierern. Ehrmann stellt sie mit großer Sympathie vor, man verfolgt sechs Tage lang ihr Leben – bis zur großen „Fight Night“, die mit einigen Überraschungen aufwartet.
Nicht immer ganz rund, aber temporeich und schnörkellos erzählt Ehrmann. Ich bin gespannt auf sein nächstes Buch!

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Bernard Cornwell: Die dunklen Krieger

Cornwell_KriegerSchon der neunte Band der Uthred-Saga! Mein offizieller Rekord – ich habe von keiner Buchreihe bisher so viele Bände gelesen.*
Und es wird immer noch nicht langweilig. Im Gegenteil, ich fand die Geschichte wieder sehr spannend und amüsant.

Diesmal bekommt es unser Held mit einer Streitmacht aus Iren und Nordmännern zu tun, die das Reich seiner Königin (und  Geliebten) Æthelflæd bedrohen. Ein schwerer Kampf steht bevor, besonders für Uthreds irischen Freund Finan.

*Ahh! Gelogen! Die „Fandorin“-Reihe von Boris Akunin hat 13 Bände. Na gut, zweiter Platz für Bernard Cornwell…

 

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Pauline Peters: Die rubinrote Kammer

Peters_KammerDer Klappentext verspricht, dieses Buch sei „ein brillianter Schmöker, wie Sie ihn lange nicht gelesen haben“.
Die hauen ganz schön auf die Kacke, denke ich mir. (Verzeihung, ich denke in Ruhrgebietsausdrücken. Außerdem lese ich gerade zwischendurch im neuen Buch von Katrin Bauerfeind, das führt auch zu einer gewissen sprachlichen Verrohung…)
Also, „brilliant“ ist hier im Sinne von „flott erzählt, aber voller Klischees“ gemeint.
Immerhin hat der Verlag mich durchschaut: So etwas habe ich tatsächlich schon lange nicht mehr gelesen! Meist verliere ich die Geduld mit schwülstig erzählten Geschichten um schöne junge Frauen, die ein Familiengeheimnis lösen müssen und dabei noch die Liebe ihres Lebens finden.
Aber die schöne junge Frau in diesem Buch, Victoria Bredon, ist immerhin bei den Sufragetten aktiv (der Roman spielt im Jahr 1907). Seltsamerweise kann sie sogar Jiu-Jitsu. Außerdem will sie mit ihrem Butler Hopkins zusammen etliche Mordfälle lösen, und als Krimi betrachtet ist die Geschichte ganz unterhaltsam. Zwischen Debütantinnen-Ball und Tee im Ritz wagt sich Victoria in die schäbigen Viertel Londons, um einen Mörder zu finden und das Rätsel um ihre früh verstorbene Mutter und den kürzlich verstorbenen Vater zu lösen.

Fazit: Popcorn-Kino in Buchform!

 

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Beatriz Williams: Das geheime Leben der Violet Grant

William_VioletWenn man trinkfeste und schlagfertige Frauen mag, ist das genau die richtige Lektüre!

New York, 1964: Vivian Schuyler ist ein echtes Society-Girl.
Aber ihr steht der Sinn nach mehr als den passenden Ehemann zu finden und eine dekorative Hausfrau zu sein. Also nimmt sie eine Stelle bei einem Magazin an und teilt sich eine kleine Wohnung mit einer wilden Mitbewohnerin.

Als ihre Mutter ihr einen Koffer zuschickt, der ihrer verschollenen Großtante, der Physikerin Violet Grant, gehörte, weiß Vivian, dass hier die Story ihres Lebens auf sie wartet. Sie stürzt sich in die Recherche und erfährt, dass Violet kurz nach Ausbruch des ersten Weltkriegs ihren Ehemann ermordet haben soll, um mit ihrem Geliebten zu fliehen. Vivian vermutet zu Recht, dass mehr hinter diesem „Skandal“ steckt.

Die Geschichten von Vivian und Violet werden parallel erzählt, wobei erstere mit witzigen Dialogen aufwartet, letztere eher spannend ist. Keine große Literatur, sondern prima Unterhaltung. Das Buch wird sicherlich in vielen Urlaubskoffern landen!

 

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Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit

Wells_EndeBenedict Wells – der jüngste Autor, den Diogenes je verlegt hat. Wer seine Bücher kennt, weiß, warum die Schweizer Verlagsleute sofort zugegriffen haben!

In seinem neuen Buch erzählt er die Geschichte dreier Geschwister, die früh ihre Eltern verlieren. Und beinahe auch den Kontakt  untereinander, denn – in ein Internat abgeschoben – gehen die drei zunächst sehr verschiedene Wege.

Der Erzähler, Jules, ist zunächst furchtbar einsam, freundet sich aber dann mit seiner Klassenkameradin Alma an. Sie wird zu einer Konstante in seinem von Brüchen gekennzeichneten Leben.

Sehr einfühlsam, aber dennoch knapp und unsentimental erzählt Wells von Verlusten, Ängsten und Einsamkeit, trotzdem stimmt das Buch eher nachdenklich als traurig. Beeindruckend!

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Julie Zeh: Unterleuten

Zeh_UnterleutenAlle Bücher von Julie Zeh sind lesenswert – auch dieser Roman, der auf 640 Seiten nicht eine sympathische Figur aufweist!

Unterleuten, irgendwo in Brandenburg: Hier prallen Welten aufeinander! Viele von denen, die in dem vermeintlich idyllischen Dorf aufgewachsen sind, wollen nur weg. Stadtflüchtlinge aus Berlin wiederum ziehen hinaus aufs Land und erwarten ein unverdorbenes Paradies. Da stören die Alteingesessenen zuweilen.

Noch mehr Konflikte entstehen, als ein Investmentunternehmen einen Windpark in Unterleuten errichten will. Naturschutz trifft auf finanzielle Interessen. Zwischen Wendeverlierern und -gewinnern bricht erneut Streit aus.

Julie Zeh erzählt spannend von Intrigen, Zerwürfnissen, Gewaltausbrüchen. Das Buch wurde als „kulturkritischer Gegenwartsroman“ (Ursula März,  Die Zeit) gehandelt, liest sich aber streckenweise beinahe wie ein Krimi. Empfehlenswert auch die Internetseite zum Buch: www.unterleuten.de

 

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Off Topic: Geschichten aus dem Buchhandel

Wenn Kunden in unserem Online-Shop etwas bestellen, bekommen wir eine automatische E-mail mit allen möglichen Angaben: Natürlich die Titel und ISBN der Bücher, Preise usw. Es stehen aber auch Bestelldatum und Uhrzeit dabei.

Die neugierige Buchhändlerin nimmt das zur Kenntnis und denkt sich: „Donnerwetter, die muss aber früh aufstehen!“ oder „Meine Güte, so ein Rentner* sitzt aber noch spät am Rechner…“

Heute musste ich bei der Betrachtung von Uhrzeit und bestelltem Buch breit grinsen.
Was bestellt ein frischgebackener Vater am sehr späten Abend?
Annette Kast-Zahn: Jedes Kind kann schlafen lernen…

* Hallo, OL! Ja, Du bist gemeint!  😉

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Louise Welsh: V5N6 – Tödliches Fieber

Welsh_FieberDie ehemalige Journalistin Stevie arbeitet bei einem Teleshopping-Kanal und führt ein eher ereignisloses Leben. Doch unversehens findet sie sich in einem Strudel dramatischer Ereignisse wieder: Ein tödliches Grippevirus verbreitet sich rasend schnell in London. Auch ihren neuen Freund, den Arzt Simon Sharkey, erwischt es scheinbar – nachdem er sich tagelang nicht bei ihr gemeldet hat, findet Stevie ihn tot in seiner Wohnung.

Stevie erkrankt ebenfalls, gehört aber zu den wenigen Menschen, die das „Schwitzfieber“, wie es genannt wird, überleben. Sie ist überzeugt davon, dass Simon umgebracht wurde, denn er hat ihr seinen Laptop mit wichtigen Daten hinterlassen. In einer immer chaotischer werdenden Stadt macht sich Stevie auf die Suche nach dem Mörder.

Dystopie trifft Krimi – kein überragender Thriller, liest sich aber flott.

 

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James Runcie: Der Schatten des Todes

Runcie_SchattenDies ist der erste Band der in Großbritannien populären „Sidney-Chambers“-Reihe, bestehend aus netten, extrem harmlosen Kriminalgeschichten.

Im Mittelpunkt steht ein junger Geistlicher, der in der kleinen Stadt Granchester immer wieder in Kriminalfälle verwickelt wird. Angesiedelt ist das Ganze in den frühen 1950er Jahren – beim Lesen hatte ich unwillkürlich ein schwarzweißes Miss-Marple-Setting vor Augen.

Wer die ländliche, englische Atmosphäre mag und von einem Krimi nicht unbedingt Spannung erwartet, ist hier richtig.

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