Sarah Perry: Die Schlange von Essex

Im Jahr 1893 zieht die frisch verwitwete Cora Seaborne von London ins ländliche Essex.
Ihr Sohn Francis ist ein schwieriges Kind, ihre Ehe war lieblos.
Sie hofft, in der Abgeschiedenheit des kleinen Ortes Aldwinter ein angenehmeres Leben führen zu können. Als begeisterte Darwin-Anhängerin ist sie fasziniert von der „Schlange von Essex“, einem Ungeheuer, das nach Jahren angeblich wieder aufgetaucht sein soll. Cora vermutet hinter den Gruselgeschichten der Dorfbewohner eine noch nicht bekannte Tierart.
Als Verfechterin der Evolutionstheorie gerät sie mit dem Pfarrer William Ransome aneinander. Beide sind in rein gar nichts einer Meinung, trotzdem fühlen sie sich zueinander hingezogen. Doch William ist verheiratet, Cora kann nicht auf mehr als Freundschaft hoffen.
Als ein Dorfbewohner tot aufgefunden wird und ein Mädchen verschwindet, gerät das sonst so ruhige Aldwinter in Aufruhr. Und Cora und William merken, dass sie einander mehr bedeuten als erlaubt…

Ein wunderbarer Schmöker für dunkle Wintertage! Das Buch wurde in diesem Jahr mit dem Britischen Buchpreis ausgezeichnet.

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Graham Norton: Ein irischer Dorfpolizist

Duneen ist ein kleines Dorf im Süden Irlands. Jeder kennt jeden und das Leben ist nicht gut, aber recht friedlich. Man könnte auch sagen: ereignislos. Daher hat es der übergewichtige Sergeant PJ Collins auch nicht leicht, als eines Tages bei Bauarbeiten auf einer Farm ein menschliches Skelett gefunden wird, offensichtlich Opfer einer Gewalttat.
Denn niemand traut Collins zu, dass er den Fall lösen kann, auch nicht der Cork hinzu gezogene Superintendent Linus Dunne.

Das ganze Dorf geht davon aus, dass die sterblichen Überreste von Tommy Burke sind, der zwanzig Jahre zuvor plötzlich verschwand, nachdem seine Verlobte und seine Geliebte öffentlich aneinander gerieten. PJ wird an den Ermittlungen beteiligt, da die Dorfbewohner die Polizisten „aus der Stadt“ nicht schätzen. Und siehe da: Nach und nach deckt er so manches Geheimnis auf…
Kritiker loben die irische Atmosphäre und den sympathischen Ermittler. Naja. Das Buch wird seine Leser finden, da bin ich sicher. Bei mir hat es allerdings keine Begeisterung ausgelöst.

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Virgenie Despentes: Das Leben des Vernon Subutex

Französische AutorInnen (bis auf Fred Vargas natürlich) stehen meist nicht besonders weit oben auf meiner Lesewunschliste.

Eher zufällig habe ich also in „Das Leben des Vernon Subutex“ hineingeschaut – und bin sofort „angefixt“ gewesen. Wenn man von einem Buch, dessen Thema einen eigentlich überhaupt nicht interessiert, so gefesselt ist, kann man der Autorin nur Respekt zollen!

Zum Inhalt:
Vernon Subutex, ein plötzlich obdachlos gewordener ehemaliger Plattenladen-Besitzer, sucht ehemalige Freunde und Bekannte auf, um bei ihnen unterzukommen. Seit den „goldenen“ 1990er Jahren hat sich viel verändert, der Ton ist rauer geworden.
Viele Erzählstimmen bilden ein Panorama der heutigen (französischen) Gesellschaft und ersetzen eine Handlung im eigentlichen Sinn. Sie bilden einen Chor der Erfolgreichen und Gescheiterten, der Rechten und Gewalttätigen, der Suchenden und Einsamen – und mittendrin befindet sich Vernon Subutex in seiner Abwärtsspirale, die er seltsam stoisch durchlebt.
Großartiges Buch, zurecht gefeiert!

 

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Leila Slimani: Dann schlaf auch du

Was für ein Buch!
Im letzten Jahr bekam Leila Slimani für diesen Roman Frankreichs renommiertesten Literaturpreis, den Prix Goncourt. Jetzt ist die deutsche Übersetzung erschienen.

Das Buch beginnt absolut schockierend: In nüchternem Ton wird vom Tod zweier kleiner Kinder erzählt, ermordet von ihrem Kindermädchen.
Wie konnt es zu dieser furchtbaren Tat kommen?
Hier erweist sich Slimani als eine großartige Erzählerin, die mit viel Einfühlungsvermögen von Menschen erzählt, die wir als „Monster“ wahrnehmen. Überhaupt hat sie einen scharfen Blick auf gesellschaftliche Zustände, auf die Zumutungen und Brüche im Leben derer, die sozial abgehängt werden.
Eine ungeheure, erschütternde Geschichte! Aber dennoch ein Buch, das ich nur empfehlen kann.

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Mackenzi Lee: Cavaliersreise

Ich liebe dieses Buch!
Zwar bin ich mir nicht sicher, wie gut wir ein Buch verkaufen, dessen Protagonist ein liederlicher junger Adeliger ist, der dem Alkohol sehr zutan und in seinen besten Freund verliebt ist(!), aber für mich hat diese Geschichte alles, was ein gutes Jugendbuch haben muss: Humor, Abenteuer, Romantik, Dramatik und mit Henry „Monty“ Montague einen absolut unwiderstehlichen Helden. (Wobei Heldenhaftigkeit nicht direkt zu Montys hervorstechendsten Eigenschaften gehört…)
Zusammen mit seiner Schwester Felicity und seinem ältesten Freund (und heimlichen Schwarm) Percy wird der junge Montague unter der Aufsicht eines strengen Hofmeisters auf den Kontinent geschickt.
Eine „Cavaliersreise“ steht an, wie es der Brauch für junge Gentlemen ist: Frankreich, Italien, Schweiz, Deutschland – mit vollem Bildungsprogramm!
Danach soll Monty in die Geschäfte seines Vaters eingeführt werden. Ein Leben voller unangenehmer Pflichten an der Seite seines furchteinflößenden und gewalttätigen Vaters liegt vor ihm. Kein Wunder, dass er auf der Reise noch einmal über die Stränge schlagen möchte – aber nachdem er nackt in den Gärten von Versaille entdeckt wurde, geraten die Dinge doch ziemlich außer Kontrolle – Wegelagerer, Piraten und ein unerbittlicher Verfolger begleiten seine Tour…
Das amüsanteste Buch, das ich in den letzten Monaten gelesen habe!
Warum zum Teufel gab es solche Jugendbücher in meiner Jugend eigentlich nicht?

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Nachtrag: Urlaubslektüre

Man kommt ja zu nix! Also, ich jedenfalls.
Die verlockenden Leseexemplare stapeln sich im Regal, auf dem Nachttisch, in der Buchhandlung, aber ständig passieren Dinge, die einen vom Lesen abhalten, wie zum Beispiel ein Umzug…

Im Urlaub, da ging´s noch mit dem Lesen! Ist aber schon sooo lange her, dass ich mich kaum noch entsinne, welche Bücher ich dabei hatte.
Als Nachtrag aus dem Juni hier und jetzt ein paar Zeilen zu den Büchern, an die ich mich erinnern kann:

Helen MacDonald: H wie Habicht

Ich finde Raubvögel interessant und hatte mich auf diese Urlaubslektüre gefreut. Doch leider beschreibt die Philosophin MacDonald vor allem ihre seelische Verfassung nach dem Tod ihres geliebten Vaters.
Hm – nicht gerade das, was mir für den Urlaub vorschwebte. Enttäuschend!

Bernard Cornwell: Der Flammenträger

Im zehnten Band der Uthred-Reihe steht für unseren Helden die Rückeroberung seiner Bebbanburg an.
Wie immer eine unterhaltsame Lektüre für Wikingerfans: Nicht ganz unblutig, aber mit (grimmigem) Humor erzählt. Meinetwegen können gern noch zehn Bände folgen!

 

Wunderbar zu lesen war außerdem Klaus Cäsar Zehrer (sagen Sie den Namen dreimal schnell hintereinander! Was manche Eltern sich so denken…): „Das Genie“. Es ist allerdings noch nicht auf dem Markt, daher folgt eine ausführlichere Besprechung später.

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Kent Haruf: Unsere Seelen bei Nacht

haruf_seelenEine sehr zarte, schön zurückhaltend erzählte Liebesgeschichte!

Zwei alte Menschen finden auf unkonventionelle Art zusammen: Die Witwe Addie fragt ihren ebenfalls alleinstehenden Nachbarn Louis aus heiterem Himmel, ob sie nicht hin und wieder ihre Nächte zusammen verbringen wollen.
Dabei geht es ihr nicht um eine körperliche Beziehung, sondern um eine Möglichkeit, der entsetzlichen Einsamkeit ein Ende zu bereiten, die sie nachts überfällt.
Louis lässt sich darauf ein, und so entsteht zunächst eine tiefe Freundschaft und schließlich auch eine Liebesbeziehung.
Aber bald zeigt sich, dass ihre Familien und die Menschen in ihrer Kleinstadt wenig Verständnis für Addies und Louis´ „Arrangement“ haben…

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Gil Ribeiro: Lost in Fuseta

Leander Lost darf dank eines europäischen Polizei-Austauschprogramms statt im regnerischen Hamburg für ein Jahr an der Algarve ermitteln.
Er verblüfft seine neuen Kollegen mit seinen ausgezeichneten Sprachkenntnissen, aber noch mehr durch seine soziale Inkompetenz: Er nimmt alles wörtlich, hat keinen Humor und kann nicht lügen.
Dennoch erweisen sich Sub-Inspektorin Graciana Rosado, ihr Kollege Carlos Esteves und Leander Lost als durchaus erfolgreiches Team, als es darum geht, den Mord an einem Privatdetektiv aufzuklären und einem Umweltverbrechen auf die Spur zu kommen. Und Gracianas Schwester Soraia zeigt ein lebhaftes Interesse an dem seltsamen Deutschen…

Der perfekte Urlaubskrimi, wenn man nicht unbedingt Hochspannung und Action erwartet, sondern Humor und etwas schräge Figuren. Nett! Ich kann mir vorstellen, weitere Bände zu lesen, wenn sie erscheinen.

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Eva Baronsky: Manchmal rot

Christian von Söchting ist ein erfolgreicher Wirtschaftsanwalt mit einem Schwarzgeld-Problem.
Angelina ist Putzfrau und hat nie richtig lesen gelernt.

Die beiden haben nichts gemeinsam, außer dass sie sich manchmal in derselben Wohnung aufhalten: Er schläft dort, sie putzt.
Begegnet sind sie sich noch nie – bis Angelina nach einem Stromschlag von der Leiter fällt und Christian somit vor einem Problem steht. Natürlich war die Haushaltshilfe nicht angemeldet.

Nach kurzzeitigem Koma erwacht Angelina ohne jede Erinnerung an ihre eigene Person. Plötzlich ist sie kreativ, musikalisch interessiert und kann sich kaum mit der Frau anfreunden, die sie einmal war – so wird beider Leben total auf den Kopf gestellt.

Wirklich nette Unterhaltung – mit einem kleinen philosophischen Denkanstoß.

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Petra Ivanov: Erster Funke /Flint und Cavalli – Wie alles begann

Bereits sechs Bände sind im Unionsverlag erschienen über das Ermittlerpaar Regina Flint und Bruno Cavalli. Ich kenne keinen davon. Es war aber kein Problem, mit dem siebten Buch der Reihe zu beginnen, denn er beschreibt den ersten gemeinsamen Fall der Staatsanwältin und des Polizisten.

Der Krimi spielt nicht in der Schweiz, im Heimatland der Protagonisten, sondern in den USA. Dorthin ist der leicht exzentrische Polizist einem Paar gefolgt, das Schweizer Bankdaten gestohlen hat, um sie zu verkaufen. Als der Datendieb tot aufgefunden wird, weiß Cavalli, dass er dessen Frau schnell finden muss – Spuren führen in den Umkreis der Mafia. Seine amerikanischen Kollegen trauen ihm nicht, so dass er auf eigene Faust ermittelt. Unterstützt wird er von der eher zufällig hinzu gezogenen Staatsanwältin Flint, die eigentlich mit ihrem Chef zusammen eine Tagung besuchen wollte.

Petra Ivanov wurde für ihre Reihe u.a. mit dem Zürcher Krimipreis ausgezeichnet, hier in Deutschland ist sie bislang nicht so bekannt.
Das Buch ist flott erzählt, die Figuren eigentlich ganz interessant – ein netter Krimi für alle, die es nicht so blutig mögen.

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