Frank Goldammer: Der Angstmann

goldammer_angstDresden im Winter 1944/45: Eine Serie von Frauenmorden erschüttert die Stadt, der „Angstmann“ geht um, wird hinter vorgehaltener Hand erzählt. Kriminalinspektor Max Heller wird auf den Fall angesetzt, aber sein Vorgesetzter ist nur an einer schnellen Erfolgsmeldung interessiert. Ob der richtige Täter gefasst wird, ist dabei nebensächlich.

Heller versucht dennoch, in den chaotischen Verhältnissen so etwas wie solide Polizeiarbeit zu leisten, immer unsicher, ob er bespitzelt wird, was er sich noch erlauben kann, ohne an die Front versetzt zu werden. In einer kalten Februarnacht scheint er den Mörder stellen zu können, doch dann beginnt die Bombardierung der Stadt…

Das Motiv „Psychopathischer Serienkiller tötet möglichst grausam etliche Frauen“ ist das ausgelutscheste der Krimiwelt. Ich reagiere mittlerweile nahezu allergisch darauf. Dennoch habe ich das Buch zur Hand genommen, weil ich Krimis spannend finde, die nicht nur einen Fall erzählen, sondern sozusagen „Mehrwert“ bieten wie Einblicke in andere Gesellschaften oder Epochen. Als Roman über die letzten Kriegsmonate und die unmittelbare Nachkriegszeit fand ich das Buch ganz ordentlich, den Serienmörder-Plot hätte Goldammer sich sparen können.

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Off Topic: Erinnerung an mich selbst

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„Baum frisst Schild oder: Der Wald will keine Reitwege“

Da fällt mir wieder ein, dass ich noch
„Das geheime Leben der Bäume“ von Peter Wohlleben lesen wollte….

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Off topic: Intelligenztest nicht bestanden!

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Mir fehlen die Worte!

Da wir definitiv nicht genügend Alkohol im Haus haben, um uns die Ergebnisse der US-Wahlnacht schönzusaufen, muss die literarische Hausapotheke helfen…

 

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Melanie Raabe: Die Wahrheit

raabe_wahrheitSarah Petersen hat jahrelang auf ein Lebenszeichen ihres Mannes Philipp gehofft. Der wohlhabende Geschäftsmann wurde während einer Kolumbienreise entführt, seitdem fehlt jede Spur von ihm.

Daher zieht die junge Frau ihren Sohn allein auf. Sie hat keine Familie, und die Mutter ihres Mannes ist dement und lebt in einem Pflegeheim. Ihr bleibt nur die Arbeit als Lehrerin.

Gerade, als sie vorsichtig eine Beziehung zu einem Kollegen aufbaut, bekommt sie den Anruf, auf den sie zuvor vergeblich gewartet hat: Philipp lebt! Doch am Flughafen erwartet sie eine Überraschung: Der Mann, der aus dem Flieger steigt, ist nicht ihr verschollener Ehemann – doch niemand glaubt ihr das!

Ein durchaus spannender Psychothriller, der nicht auf blutige Schockeffekte setzt, sondern auf bedrohliche Atmosphäre.

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Noah Hawley: Vor dem Fall

hawley_fallScott Borroughs, ein erfolgloser Maler, teilt für eine sehr kurze Zeit das Leben der Superreichen: Im Nobel-Urlaubsort Martha´s Vineyard lernt er eine junge Frau kennen, die ihn in den Privatjet ihres Mannes einlädt, als er kurzfristig nach New York muss.

Doch kurz nach dem Start stürzt die Maschine ins Meer. Nur Scott und der kleine Sohn des Millionärs überleben. Der geübte Schwimmer schafft es tatsächlich, den Jungen JJ und sich an die Küste zu bringen. Zunächst wird er als Held gefeiert, doch dann kommen Zweifel auf. Wie kam er überhaupt an Bord der Maschine? Ist er für das Unglück verantwortlich?

Scott muss ohnmächtig erleben, wie jedes Detail seines Lebens von den Medien durchleuchtet wird. Und auch JJ und seine Tante, bei der er aufwachsen soll, bleiben nicht unbehelligt.

Noah Hawley erzählt die Geschichte aller Personen, die sich an Bord befanden:
JJs Familie, ein befreundetes Ehepaar, ein Bodyguard, der Pilot, der Copilot, die Stewardess. Dabei wird auch das Rätsel des Absturzes gelöst.
Spannend geschrieben, mit einem kritischen Blick auf das Mediengebaren und das Leben sehr reicher Menschen, die jegliche „Bodenhaftung“ verloren haben.

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Erika Swyler: Das Geheimnis der Schwimmerin

Swyler_Geheimnis„Ein Debüt, das hohe Wellen schlägt!“, behauptet der Limes-Verlag in seiner Vorschau für den Herbst 2016. Naja – wir werden sehen…

Zum Inhalt: Ein Fluch scheint über den Frauen der Familie Watson zu liegen. Die Großmutter des Erzählers Simon Watson ist ertrunken, seine Mutter auch. Sein Haus an der Küste von Maine wird langsam vom Meer verschlungen und seine Schwester scheint besessen von ihren Tarotkarten. Die Handlung ist ziemlich verschlungen, mit Zeitsprüngen zwischen drei Generationen.

(Ehrlich gesagt habe ich das Buch schon vor vielen Wochen gelesen und bekomme jetzt nicht mehr alle Handlungsstränge auf die Reihe… )
Es geht um Tarotkarten und ein düsteres Familiengeheimnis und einen Fluch, soviel ist sicher. Also eher etwas für LeserInnen mystischer Romane. Also eher nichts für mich.
Aber es ist durchaus ansprechend geschrieben – für Fans schauriger Geschichten auf alle Fälle ein Tipp.

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Elizabeth Strout: Die Unvollkommenheit der Liebe

strout_liebeDie Ich-Erzählerin, Lucy Barton, erzählt aus einer Zeit in ihrem Leben, die schon lange zurück liegt, sie aber immer noch beschäftigt. In jungen Jahren, als ihre Kinder noch klein waren und ihre Karriere als Schriftstellerin gerade begann, musste Lucy mehrere Wochen im Krankenhaus verbringen. Nach einem harmlosen Eingriff hatte sie Fieber bekommen und war plötzlich lebensgefährlich erkrankt. In dieser schweren Zeit taucht plötzlich ihre Mutter, die sie seit vielen Jahren nicht gesehen hat, im Krankenhaus auf.

Was für ein großartiges Buch!
Ich war mir zunächst nicht ganz sicher, ob ich es lesen soll, weil Christine Westermann es empfohlen hat und ich oft enttäuscht bin von den Westermann-Tipps. Aber schon die ersten Seiten haben mich voll und ganz überzeugt! In diesem Fall kann ich mich Frau Westermanns Lob für den Roman nur voll und ganz anschließen. Elizabeth Strout ist eine unglaublich kluge und einfühlsame Erzählerin. Eigentlich hätte sie für dieses Buch noch einen Pulitzer-Preis verdient!

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M.R.C. Kasasian: Mord in der Mangle Street

kasasian_mordEngland, 1882: March Middleton, eine sehr lebhafte junge Dame, muss nach dem Tod ihres Vaters bei ihrem Vormund in London wohnen. Trotz des tragischen Verlustes ist sie neugierig auf die Stadt und auf den Mann, der nunmehr ihre Geschicke bestimmen soll: Sidney Grice ist immerhin ein berühmter Detektiv!
Doch leider entpuppt er sich auch als arroganter Besserwisser, Nervensäge und Chauvinist, der Frauen für minderbemittelt hält. Immerhin kann ihn die äußerst clevere und selbstbewusste March  schnell eines besseren belehren. Während der Ermittlungen macht der erfolgreiche Privatdetektiv nicht immer eine gute Figur, doch gemeinsam mit seinem Mündel löst er schließlich den vertrackten Mordfall in der Mangle Street…

Richtig nettes Lesefutter mit Witz und viel britischer Atmosphäre!

 

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Matthias Brandt: Raumpatrouille

Brandt_RaumpatrouilleAls ich anfing, das Buch zu lesen, war mir gar nicht bewusst, dass es sich bei dem Autor 1. um einen bekannten Schauspieler handelt (ich hatte mir das Autorenpotrait hinten im Klappentext gar nicht angesehen) und 2. um den Sohn von Willy Brandt.

Mit diesem Hintergrundwissen ergeben die Kindheitserinnerungen, in denen Leibwächter und Chauffeure vorkommen, plötzlich mehr Sinn. Vor allem, dass der Erzähler mit Heinrich Lübke Kakao trinkt.
Dennoch hat mich das Buch nur mäßig beeindruckt. Eine Kindheit in den 1970er Jahren wird beschrieben. Bonanza-Räder, Wim Thoelke im Fernsehen. Klar, nostalgisch.
Letztendlich habe ich das Buch mit einem Achselzucken zugeklappt. Jaja, nett geschrieben…

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Claudia Piñeiro: Ein wenig Glück

Pineiro_GlückClaudia Piñeiro ist in Argentinien längst ein Star, ihre Bücher absolute Bestseller.  Der Krimi „Die Donnerstagswitwen“ war auch in Deutschland einigermaßen erfolgreich. Allerdings hatte ich diese Autorin bislang nicht auf dem Schirm.

Das hat sich jetzt zum Glück geändert! Ich fand „Ein wenig Glück“ ganz hervorragend! Endlich einmal wieder ein Buch, das sich unglaublich spannend liest und dessen Geschichte noch lange nachhallt.

Die Erzählerin des Buches, eine Frau namens Mary, kehrt nach langer Abwesenheit in ihren früheren Wohnort Temperley in Argentinien zurück. Neunzehn Jahre lang war sie fort, hat in den USA gelebt, nachdem ein furchtbares Unglück ihr das Bleiben unmöglich machte. Sie verließ Mann und Sohn, begann ein völlig neues Leben. Jetzt führt sie ein beruflicher Auftrag wieder nach Temperley. Sie bangt und hofft gleichzeitig, dass Freunde von früher sie wiedererkennen. Es kommt jedoch zu einer Begegnung, mit der sie am wenigsten gerechnet hat…

Behutsam nähert sich der Leser in diesem raffiniert konstruierten Roman dem Unglück in Marys Leben. Und damit der Frage, wie man mit einer großen Schuld weiterleben  – und vielleicht sogar „ein wenig Glück“ finden kann. Sehr, sehr beeindruckend!

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