Eva Baronsky: Manchmal rot

Christian von Söchting ist ein erfolgreicher Wirtschaftsanwalt mit einem Schwarzgeld-Problem.
Angelina ist Putzfrau und hat nie richtig lesen gelernt.

Die beiden haben nichts gemeinsam, außer dass sie sich manchmal in derselben Wohnung aufhalten: Er schläft dort, sie putzt.
Begegnet sind sie sich noch nie – bis Angelina nach einem Stromschlag von der Leiter fällt und Christian somit vor einem Problem steht. Natürlich war die Haushaltshilfe nicht angemeldet.

Nach kurzzeitigem Koma erwacht Angelina ohne jede Erinnerung an ihre eigene Person. Plötzlich ist sie kreativ, musikalisch interessiert und kann sich kaum mit der Frau anfreunden, die sie einmal war – so wird beider Leben total auf den Kopf gestellt.

Wirklich nette Unterhaltung – mit einem kleinen philosophischen Denkanstoß.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Petra Ivanov: Erster Funke /Flint und Cavalli – Wie alles begann

Bereits sechs Bände sind im Unionsverlag erschienen über das Ermittlerpaar Regina Flint und Bruno Cavalli. Ich kenne keinen davon. Es war aber kein Problem, mit dem siebten Buch der Reihe zu beginnen, denn er beschreibt den ersten gemeinsamen Fall der Staatsanwältin und des Polizisten.

Der Krimi spielt nicht in der Schweiz, im Heimatland der Protagonisten, sondern in den USA. Dorthin ist der leicht exzentrische Polizist einem Paar gefolgt, das Schweizer Bankdaten gestohlen hat, um sie zu verkaufen. Als der Datendieb tot aufgefunden wird, weiß Cavalli, dass er dessen Frau schnell finden muss – Spuren führen in den Umkreis der Mafia. Seine amerikanischen Kollegen trauen ihm nicht, so dass er auf eigene Faust ermittelt. Unterstützt wird er von der eher zufällig hinzu gezogenen Staatsanwältin Flint, die eigentlich mit ihrem Chef zusammen eine Tagung besuchen wollte.

Petra Ivanov wurde für ihre Reihe u.a. mit dem Zürcher Krimipreis ausgezeichnet, hier in Deutschland ist sie bislang nicht so bekannt.
Das Buch ist flott erzählt, die Figuren eigentlich ganz interessant – ein netter Krimi für alle, die es nicht so blutig mögen.

Veröffentlicht unter Durchaus lesenswert, Krimi | Hinterlasse einen Kommentar

JP Delany: The Girl before

In diesem Buch werden zwei Geschichten parallel erzählt, jeweils von einer Ich-Erzählerin. Die sich abwechselnden Kapitel werden immer überschrieben mit „Damals: Emma“ und „Heute: Jane“, so dass die Zuordnung nicht schwer fällt.
Beide Frauen haben gerade eine schwere Krise durchgemacht: Emma ist in ihrem Haus überfallen worden, Jane hat ihr Kind tot zur Welt gebracht. Beide nehmen das Angebot des Star-Architekten Edward Monkford an, in dessen Haus zu wohnen, obwohl der Vermieter sehr viele Regeln für sie aufstellt. In der puristischen Wohnung darf nichts verändert werden, es dürfen keine Gegenstände herumliegen, sie müssen am hausinternen Computer Fragen beantworten usw.

Recht schnell erschließt sich aus Janes Geschichte in der Gegenwart, dass Emma in dem Haus an der Folgate Street umgekommen ist. Emmas Ex-Freund behauptet, es sei Mord gewesen und Edward Monkford der Mörder…

Ich brauchte ein wenig, um in die Geschichte einzusteigen, aber dann fand ich sie doch recht spannend.
Zwei Dinge stören mich jedoch: Erstens finde ich es immer wieder unlogisch, wenn Ich-Erzähler (wie in diesem Fall Emma) ihren eigenen Tod beschreiben.
Und zweitens hasse ich es wie die Pest, wenn wörtliche Rede nicht durch “ “ gekennzeichnet wird! Was soll das? Ich lese schnell und möchte nicht dauern meinen Blick schweifen lassen müssen, wo ein Dialog beginnt und endet. Es ist einfach total lese-unfreundlich! Ich weiß nicht, ob sich Autoren, Lektoren oder Verlagsleute diese Unsitte haben einfallen lassen, aber es nervt ungeheuerlich!!

Veröffentlicht unter Durchaus lesenswert, Krimi | Hinterlasse einen Kommentar

Alexander Oetker: Retour

Ja, Frankreich-Krimis gibt es mittlerweile wie Austern am Meer…
Dennoch habe ich diesen hier gelesen, schon allein weil der Autor sich nicht hinter einem französisch klingenden Pseudonym versteckt, wie es deutsche SchriftstellerInnen bei solchen Gelegenheiten gern tun. (Ich glaube ja, Franzosen schreiben selbst gar keine  Krimis. Das tun nur die frankophilen Deutschen. Oder Schotten – siehe Martin Walker…)

Naja, jedenfalls ist Alexander Oetker erstens Journalist (kann also schreiben) und hat zweitens lange in Frankreich gelebt und gearbeitet (weiß also, worüber er schreibt). Das merkt man dem Buch deutlich an.

Der ermittelnde Kommissar, Luc Verlain, ist ein Sympathieträger. Natürlich liebt er gutes Essen und schöne Frauen. Gerade eben hat er sich von Paris an die Atlantikküste versetzen lassen, um bei seinem Vater zu sein, der ins Pflegeheim ziehen musste.
Verlain fürchtet, sich fern der Hauptstadt langweilen zu müssen, doch schon an seinem ersten Tag wird ein ermordetes junges Mädchen am Strand gefunden. Und dann ist da noch seine reizende neue Kollegin Anouk…

Nette Urlaubslektüre für den nächsten Frankreich-Trip…

 

Veröffentlicht unter Durchaus lesenswert, Krimi | Hinterlasse einen Kommentar

Barbara J. Zitwer: Als das Meer uns gehörte

Wenn ein Buchcover blau ist und das Wort „Meer“ im Titel vorkommt, hat es sofort meine Aufmerksamkeit.
In diesem Fall hätte ich meine Lesezeit allerdings besser nutzen können – leider hatte ich an jenem Wochenende aber kein anderes Buch zur Hand…

Die Handlung in Kurzform: Erfolgreiche Schuh-Designerin (das hätte mir schon eine Warnung sein sollen!) hat Mann und nahezu gehörloses Kind, aber Mann wird bei einem Überfall erschossen. Kind gibt Mutter dafür die Schuld, weil sie Karrierefrau. Frau flieht mit Kind zu ihrem Onkel ans Meer, baut dessen schlecht laufende Pension um. Walforscher taucht auf, Kind ist happy, findet Gefallen an Walen. Mutter ständig schlechtes Gewissen. Walforscher hat ein tragisches Geheimnis.

Jaha, es gibt viel kitschigere Bücher. (Aber die muss man dann erst recht nicht lesen!)

Veröffentlicht unter Belletristik, So lala... | Hinterlasse einen Kommentar

David Foenkinos: Das geheime Leben des Monsieur Pick

Nach einem kurzen Ausflug in die eher ernste Literatur („Charlotte“, über die Künstlerin Charlotte Salomon) knüpft Foenkinos mit seinem neuen Roman wieder an Wohlfühl-Geschichten à la „Natalie küsst“ an.
Gleich mehrere Paare finden oder trennen sich, nachdem ein geheimnisvolles Manuskript für Wirbel gesorgt hat.
Hat der verstorbene Pizzabäcker Henri Pick wirklich einen wunderschönen Roman in der „Bibliothek für abgelehnte Manuskripte“ hinterlassen? Dank der jungen Lektorin Delphine wird das Buch ein Riesenerfolg und die Medien stürzen sich auf Picks Witwe und seine Tochter. Doch ein ehemals bekannter Literaturkritiker hat Zweifel und beginnt zu recherchieren…

Foenkinos erzählt launig – auch über die französische Buchbranche, bekannte Verlage und Schriftstellerkollegen (wie Beigbeder oder Houellebecq) werden erwähnt.

Ja. Naja. Nett, wenn man es mag! Für Fans von Nina George oder Nicolas Barreau.

Veröffentlicht unter Belletristik, So lala... | Hinterlasse einen Kommentar

Rosamund Lupton: Lautlose Nacht

Ein etwas anderer Krimi: Yasmin Alfredson reist mit ihrer gehörlosen Tochter Ruby mitten im Winter nach Alaska, um ihren Mann zu besuchen, der als Tierfilmer unterwegs ist.
Am Flughafen in Fairbanks wartet jedoch nicht Matt, sondern die Polizei: Alle Einwohner des Dorfes Anaktue seien bei einem Brand ums Leben gekommen. Man habe die Leichen der 23 Einwohner und einen weiteren Toten gefunden, alle bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.
Yasmin und Ruby wollen nicht glauben, dass Matt tot ist. In einem Vierzigtonner machen sie sich auf dem Weg zum Polarkreis – doch sie stellen schnell fest, dass sie nicht allein in der arktischen Nacht unterwegs sind. Ein Schneesturm zieht auf und es gelingt ihnen nicht, ihren Verfolger abzuschütteln…

Besonders eindrucksvoll schildert Lupton die raue Natur Alaskas. Am Anfang hat mich die wechselnde Erzählweise etwas irritiert. Es gibt immer wieder Passagen, die in Ich-Form aus Rubys Perspektive geschrieben sind. Sie bieten allerdings einen interessanten Einblick in die lautlose Welt der Zehnjährigen.

Veröffentlicht unter Durchaus lesenswert, Krimi | Hinterlasse einen Kommentar

Luiza Sauma: Luana

Nach dreißig Jahren bekommt André Post von seiner Jugendliebe Luana. Er lebt als Arzt in London, seine Ehe ist gescheitert, seine zwei Töchter erwachsen. Eigentlich bleibt ihm nur sein Beruf – und die Rückschau auf seine Kindheit und Jugend in Brasilien.

Nach dem Unfalltod seiner Mutter hatte André als Jugendlicher eine Liebesbeziehung zu Luana geknüpft, der Tochter der Hausangestellten Rita. Die beiden verheimlichen ihre Beziehung, denn auch 1985 sind die Standesunterschiede einfach zu groß.  „Embregadas“, so die Bezeichnung für das im Haus lebende Personal, sind aus Sicht seiner Familie und Freunde einfach keine gleichwertigen Menschen. Und so endet trotz leidenschaftlicher Verliebtheit die Beziehung schon nach einigen Monaten auf eine dramatische Weise und André verlässt fluchtartig das Land…

Die Liebesgeschichte hat mich nicht umgehauen, aber als Einblick in das soziale Gefüge in Brasilien fand ich das Buch sehr interessant.

Veröffentlicht unter Belletristik, Durchaus lesenswert | Hinterlasse einen Kommentar

Vladimir Jabotinsky: Die Fünf

Jabotinsky, 1880 in Odessa geboren, schrieb diesen Roman bereits in den 1930er Jahren. Doch erst 2013 ist diese erste deutsche Übersetzung in der „Anderen Bibliothek“ herausgegeben worden.

Der Roman ist eine Ode an die einzigartige Schwarzmeer-Stadt, die in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ein Schmelztiegel war.
Das ukrainische und das russische, das jüdische und das deutsche, das armenische und das griechische Leben fanden Platz im weltoffenen Odessa.
Im Mittelpunkt des Romans steht die Familie Milgrom mit ihren fünf Kindern, mit denen der Ich-Erzähler befreundet ist. So wird er Zeuge der grausamen Schicksalsschläge, die die Milgroms treffen.

Elegant erzählt, wechselt die Geschichte nach einem heiteren Beginn allmählich den Ton.  In die liberale Gesellschaft mischen sich immer mehr nationalistische und antisemitische Strömungen. So wird der Erzähler Chronist einer untergehenden Epoche und einer zerbrechenden Familie.

Veröffentlicht unter Belletristik, Durchaus lesenswert | Hinterlasse einen Kommentar

Takis Würger: Der Club…

…oder: Wenn schöne Menschen* schöne Bücher schreiben

Ja, es lohnt sich, den „kleinen“ Schweizer Verlag Kein & Aber im Auge zu behalten, denn er hat einfach tolle Bücher im Programm!
Für mich das Highlight im Frühjahrsprogramm 2017:
Der Debütroman des jungen „Spiegel“-Reporters Takis Würger.
Das Buch führt in die Welt der Bildungs-„Elite“, nach Cambridge. Hierher verschlägt es den stillen, unbeholfenen Hans, der seine Eltern in jungen Jahren auf tragische Weise verloren hat.
Den Weg ebnet seine Tante Alex Birk, die als Dozentin für Kunstgeschichte in der Universitätsstadt lebt. Beider Verhältnis ist schwierig, denn Hans hatte einst gehofft, bei Alex leben zu können, wurde aber in ein Internat geschickt.
Und auch jetzt will seine Verwandte ihn nicht aus Gründen der Familienzusammenführung bei sich haben. Sie hat einen Auftrag für ihren Neffen, der für ihn zu einer großen Belastung wird.
Hans soll sich dem Boxteam anschließen und so Mitglied einer geheimnisvollen Gruppe von männlichen Studenten werden, die Verbrechen begehen und offiziell nicht zur Rechenschaft gezogen werden können.
Zur Seite steht ihm dabei die Doktorandin Charlotte, die ihre eigenen Beweggründe hat, Hans zu unterstützen. Im Boxteam findet Hans zum ersten Mal in seinem Leben richtige Freunde. Freunde, die er bespitzeln soll…

Takis Würger erzählt die Geschichte aus wechselnden Perspektiven, dabei treten nicht nur die Hauptfiguren als Erzähler auf, sondern auch Nebenfiguren. Manches wirkt vielleicht etwas plakativ, aber das Buch ist einfach spannend erzählt und der Blick in die Welt der Elite-Uni sehr interessant.

Hier kann man den Autor sehen 😉

Veröffentlicht unter Belletristik, Durchaus lesenswert | Hinterlasse einen Kommentar