Matthias Brandt: Raumpatrouille

Brandt_RaumpatrouilleAls ich anfing, das Buch zu lesen, war mir gar nicht bewusst, dass es sich bei dem Autor 1. um einen bekannten Schauspieler handelt (ich hatte mir das Autorenpotrait hinten im Klappentext gar nicht angesehen) und 2. um den Sohn von Willy Brandt.

Mit diesem Hintergrundwissen ergeben die Kindheitserinnerungen, in denen Leibwächter und Chauffeure vorkommen, plötzlich mehr Sinn. Vor allem, dass der Erzähler mit Heinrich Lübke Kakao trinkt.
Dennoch hat mich das Buch nur mäßig beeindruckt. Eine Kindheit in den 1970er Jahren wird beschrieben. Bonanza-Räder, Wim Thoelke im Fernsehen. Klar, nostalgisch.
Letztendlich habe ich das Buch mit einem Achselzucken zugeklappt. Jaja, nett geschrieben…

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Claudia Piñeiro: Ein wenig Glück

Pineiro_GlückClaudia Piñeiro ist in Argentinien längst ein Star, ihre Bücher absolute Bestseller.  Der Krimi „Die Donnerstagswitwen“ war auch in Deutschland einigermaßen erfolgreich. Allerdings hatte ich diese Autorin bislang nicht auf dem Schirm.

Das hat sich jetzt zum Glück geändert! Ich fand „Ein wenig Glück“ ganz hervorragend! Endlich einmal wieder ein Buch, das sich unglaublich spannend liest und dessen Geschichte noch lange nachhallt.

Die Erzählerin des Buches, eine Frau namens Mary, kehrt nach langer Abwesenheit in ihren früheren Wohnort Temperley in Argentinien zurück. Neunzehn Jahre lang war sie fort, hat in den USA gelebt, nachdem ein furchtbares Unglück ihr das Bleiben unmöglich machte. Sie verließ Mann und Sohn, begann ein völlig neues Leben. Jetzt führt sie ein beruflicher Auftrag wieder nach Temperley. Sie bangt und hofft gleichzeitig, dass Freunde von früher sie wiedererkennen. Es kommt jedoch zu einer Begegnung, mit der sie am wenigsten gerechnet hat…

Behutsam nähert sich der Leser in diesem raffiniert konstruierten Roman dem Unglück in Marys Leben. Und damit der Frage, wie man mit einer großen Schuld weiterleben  – und vielleicht sogar „ein wenig Glück“ finden kann. Sehr, sehr beeindruckend!

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Charlotte Link: Die Entscheidung

Link_EntscheidungGern mitgenommen ins Wochenende:
Das Leseexemplar des neuen Link-Thrillers.
Leichte und spannende Krimi-Kost. Samstag Nachmittag angefangen, Sonntag gegen Mittag durch. Man bleibt dran!

Der Plot ist nicht wahnsinnig originell, eben eine „gutmütiger-Typ-hilft-junger-Frau-und-gerät-in-die Schusslinie-von-Verbrechern“-Story. Aber Frau Link beherrscht ihr Handwerk und hält die Spannungskurve bis zum Ende!

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Morten A. Strøksnes: Das Buch vom Meer

Stroeksnes_MeerZwei Nordnorweger, ein Gummiboot, eine Mission…
Morten und Hugo wollen unbedingt im Nordmeer einen Eishai fangen. Um zu verstehen, warum, muss man wahrscheinlich Angler sein. Oder Nordnorweger. Oder vielleicht einfach ein Mann?
Egal! Morten Strøksnes schreibt spannend und eindrucksvoll über alles Maritime. Ob Meeresbiologie, Seefahrt, Fischfang oder Leuchtturm-Konstruktion –  man spürt in jeder Zeile des Buches die Liebe des Autors zum (Nord-) Meer. Daher bricht es einem beim Lesen fast das Herz, wenn man nicht an der Küste wohnt. Und kein Boot und keine Schäreninseln vor der Tür hat…

Ein wirklich außerordentlich lesenswertes Sachbuch, voller überraschender Fakten und teilweise sehr lustiger Geschichten. Und nicht zuletzt ein Plädoyer für den Schutz der Meere, die schließlich unser aller Lebensgrundlage sind.
Und wenn das alles noch nicht Grund genug ist, sich dieses Buch sofort zu besorgen: Es ist auch wahnsinnig schön gestaltet!

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Homer Hickam: Albert muss nach Hause

Hickam_AlbertSeinen autobiographischen Roman „Rocket Boys“ habe ich sehr gern gelesen. Nun ist ein neues Buch von Homer Hickam ins Deutsche übersetzt worden. „Albert muss nach Hause“ erzählt die „beinahe wahre“ Geschichte von Hickams Eltern Elsie und Homer senior.
Welcher Mann ist schon begeistert, wenn seine Braut ein Hochzeitsgeschenk von einem Verflossenen bekommt, für den sie immer noch schwärmt – zumal, wenn es sich um einen Alligator handelt?
Während Elsie in Albert ein Haustier sieht, hat Homer seine Schwierigkeiten mit dem Reptil. Außerdem ist eine staubige Bergarbeiterstadt wie Coalwood, West Virginia, kein gutes Pflaster für einen Alligator.
Also überredet Elsie ihren Mann, Albert nach Florida zu bringen. In einem alten Buick macht sich das Ehepaar (mit Albert auf dem Rücksitz) auf eine Reise durch ein Land, das von der Depression der 1930er Jahre gezeichnet ist.
Unterwegs treffen sie auf Bankräuber, Baseballspieler und Gewerkschafter mit krimineller Energie, sowie die Schriftsteller Steinbeck und Hemingway…
Eine flott und unterhaltsam erzählte Ehe- und Abenteuergeschichte – einfach nett!

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Milena Busquets: Auch das wird vergehen

Busquets_AuchEin trauriger, aber wunderschöner Roman!
Die Erzählerin, Blanca, fährt in das Fischerdorf Cadaqués an der Costa Brava, auf den Sommersitz ihrer Familie am Meer.
Gerade ist Blanca vierzig geworden, gerade hat sie ihre Mutter beerdigt.
Während sich Freundinnen, Ex-Ehemänner und Kinder im Ferienhaus einfinden, versucht Blanca zu begreifen, was es heißt, von nun an ohne Mutter zu leben.
So wechseln sich heitere Gespräche mit den Freundinnen, sommerliche Idylle und Ferienstimmung mit tiefer Traurigkeit in Blancas Zeit in Cadaqués ab…

Milena Busquets schrieb den Roman nach dem Tod ihrer Mutter, der bekannten spanischen Verlegerin und Schriftstellerin Esther Tusquets. Es ist daher wohl anzunehmen, dass die Hauptfigur Blanca einige Empfindungen der Autorin selbst widerspiegelt. Besonders die letzten Seiten, die sich wie ein Abschiedsbrief an die Mutter lesen, haben mich sehr bewegt. Ein tolles, ergreifendes (aber überhaupt nicht kitschiges) Buch für alle Mütter und Töchter!

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Johannes Ehrmann: Großer Bruder Zorn

Lehmann_ZornDer Debütroman des jungen Journalisten Johannes Ehrmann führt uns nach Berlin Wedding, in einen Kiez voller Menschen, die es im Leben nicht einfach haben: Jessi arbeitet bei Netto und versucht, ihrer Tochter eine einigermaßen behütete Kindheit zu verschaffen. Sie hat furchtbare Angst vor ihrem Exmann, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde.
Boxpromotor Aris steht das Wasser bis zum Hals, er hat bei den falschen Leuten Schulden. Ein großer Kampf muss her, doch alles geht schief.
Serdar Schröder arbeitet nachts in einem Kiosk und träumt von einer Boxkarriere. Jede dieser Figuren gehört nach allgemeinen Maßstäben zu den Verlierern. Ehrmann stellt sie mit großer Sympathie vor, man verfolgt sechs Tage lang ihr Leben – bis zur großen „Fight Night“, die mit einigen Überraschungen aufwartet.
Nicht immer ganz rund, aber temporeich und schnörkellos erzählt Ehrmann. Ich bin gespannt auf sein nächstes Buch!

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Bernard Cornwell: Die dunklen Krieger

Cornwell_KriegerSchon der neunte Band der Uthred-Saga! Mein offizieller Rekord – ich habe von keiner Buchreihe bisher so viele Bände gelesen.*
Und es wird immer noch nicht langweilig. Im Gegenteil, ich fand die Geschichte wieder sehr spannend und amüsant.

Diesmal bekommt es unser Held mit einer Streitmacht aus Iren und Nordmännern zu tun, die das Reich seiner Königin (und  Geliebten) Æthelflæd bedrohen. Ein schwerer Kampf steht bevor, besonders für Uthreds irischen Freund Finan.

*Ahh! Gelogen! Die „Fandorin“-Reihe von Boris Akunin hat 13 Bände. Na gut, zweiter Platz für Bernard Cornwell…

 

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Pauline Peters: Die rubinrote Kammer

Peters_KammerDer Klappentext verspricht, dieses Buch sei „ein brillianter Schmöker, wie Sie ihn lange nicht gelesen haben“.
Die hauen ganz schön auf die Kacke, denke ich mir. (Verzeihung, ich denke in Ruhrgebietsausdrücken. Außerdem lese ich gerade zwischendurch im neuen Buch von Katrin Bauerfeind, das führt auch zu einer gewissen sprachlichen Verrohung…)
Also, „brilliant“ ist hier im Sinne von „flott erzählt, aber voller Klischees“ gemeint.
Immerhin hat der Verlag mich durchschaut: So etwas habe ich tatsächlich schon lange nicht mehr gelesen! Meist verliere ich die Geduld mit schwülstig erzählten Geschichten um schöne junge Frauen, die ein Familiengeheimnis lösen müssen und dabei noch die Liebe ihres Lebens finden.
Aber die schöne junge Frau in diesem Buch, Victoria Bredon, ist immerhin bei den Sufragetten aktiv (der Roman spielt im Jahr 1907). Seltsamerweise kann sie sogar Jiu-Jitsu. Außerdem will sie mit ihrem Butler Hopkins zusammen etliche Mordfälle lösen, und als Krimi betrachtet ist die Geschichte ganz unterhaltsam. Zwischen Debütantinnen-Ball und Tee im Ritz wagt sich Victoria in die schäbigen Viertel Londons, um einen Mörder zu finden und das Rätsel um ihre früh verstorbene Mutter und den kürzlich verstorbenen Vater zu lösen.

Fazit: Popcorn-Kino in Buchform!

 

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Beatriz Williams: Das geheime Leben der Violet Grant

William_VioletWenn man trinkfeste und schlagfertige Frauen mag, ist das genau die richtige Lektüre!

New York, 1964: Vivian Schuyler ist ein echtes Society-Girl.
Aber ihr steht der Sinn nach mehr als den passenden Ehemann zu finden und eine dekorative Hausfrau zu sein. Also nimmt sie eine Stelle bei einem Magazin an und teilt sich eine kleine Wohnung mit einer wilden Mitbewohnerin.

Als ihre Mutter ihr einen Koffer zuschickt, der ihrer verschollenen Großtante, der Physikerin Violet Grant, gehörte, weiß Vivian, dass hier die Story ihres Lebens auf sie wartet. Sie stürzt sich in die Recherche und erfährt, dass Violet kurz nach Ausbruch des ersten Weltkriegs ihren Ehemann ermordet haben soll, um mit ihrem Geliebten zu fliehen. Vivian vermutet zu Recht, dass mehr hinter diesem „Skandal“ steckt.

Die Geschichten von Vivian und Violet werden parallel erzählt, wobei erstere mit witzigen Dialogen aufwartet, letztere eher spannend ist. Keine große Literatur, sondern prima Unterhaltung. Das Buch wird sicherlich in vielen Urlaubskoffern landen!

 

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